Smartes Klimasystem
Am Rande von Barcelona und in der Nähe des Nudo de la Trinitat haben HAZ Arquitectura mit Porta Trinitat einen multifunktionalen Gebäudekomplex fertiggestellt, dessen äußere Erscheinung mit Blick auf die noch entstehenden Bauteile des Komplexes absichtlich abstrakt und einfach gehalten wurde. Ziel des durch das Material Holz dominierten Bauwerks war es, einen Ort der Zusammenkunft in angenehmer Atmosphäre zu schaffen.
Das Zentrum zur Förderung des gemeinschaftlichen Lebens im Stadtteil Trinitat Vella im spanischen Barcelona stellt ein Leuchtturmprojekt der Verwaltung der lokalen Sozialpolitik dar. Um den ökologischen Fußabdruck möglichst gering zu halten und eine angenehme Atmosphäre zu schaffen, setzte das katalanische Büro HAZ Arquitectura auf die Errichtung in Holzbauweise. Mit der Fertigstellung beherbergt der erste von drei Teilen des Gesamtkomplexes verschiedene soziale Dienste und Einrichtungen – darunter eine Informations- und Beratungsstelle für Frauen – und soll mit kulturellen Angeboten auch ein Treffpunkt für die Nachbarschaft werden.
Am Rande der Großstadt und in der Nähe der Stadtteile Sant Andreu und Nou Barris gelegen, verkörpert das multifunktionale Ensemble den Gemeinschaftsgedanken und soll den Menschen vor Ort und den sozialen Akteuren des Viertels die Möglichkeit geben, sich zu verwirklichen. In diesem Zusammenhang sollen in Folge auch Gemeinschaftswohnungen und Unterkünfte für Jugendliche und ältere Menschen entstehen. Für den ersten verwirklichten Gebäudeteil entschieden sich die Architekten für ein einfaches, abstraktes Erscheinungsbild und eine zurückhaltende Formensprache um einen allzu starken Kontrast zu den in Folge entstehenden Projekten zu vermeiden.
Die planerische Qualität des Gebäudes erschließt sich somit erst auf den zweiten Blick. Die Nutzflächen sind um zwei überdachte Höfe angeordnet, die sich zu beiden Seiten des Erschließungsschachts befinden und für Licht und Belüftung im gesamten Haus sorgen. „In diesem intimen Blockinneren wollten wir einen gemütlichen Ort am Rande des Platzes schaffen. Ein Gasthaus, ein casal, das Menschen aus Sant Andreu und Nou Barris mit unterschiedlichen Bedürfnissen aufnimmt. Ein Holzgebäude, in dem sich die Menschen zu Hause fühlen“, so die Architekten. Im Erdgeschoss befinden sich die Rezeption, die Kantine und ein großer Eingangsbereich, der als Foyer für die Aula dient und in dem Ausstellungen und andere Aktivitäten stattfinden können. Im ersten Stock gibt es eine Informations- und Anlaufstelle für Frauen und andere soziale Dienste. Auf den übrigen Ebenen der insgesamt vier Etagen sind Büros und Räume für lokale Einrichtungen und Verbände um einen zentralen Kern herum angeordnet.
Die Konstruktion wurde komplett in Trockenbauweise ausgeführt. Aus Trägern und Pfeilern wurde eine Unterkonstruktion aus Metall errichtet, die mit einem tragenden System aus kreuzweise verleimten Elementen und Decken aus Kiefernholz kombiniert wurde, um das Ganze auszusteifen und dem Gebäude Stabilität zu verleihen. Die Verkleidungen im Innenraum beschränken sich auf einige Bereiche mit Sockeln aus Sperrholz, welche den Durchlass von Elektro- und Datenanschlüssen ermöglichen. Abgesehen davon bestehen die Oberflächen aus der nackten CLT-Struktur sowie dem Metallgerüst mit feuerfestem Anstrich.
Bei der Gestaltung setzten die Architekten als Kontrast zum urbanen Umfeld auf das Naturmaterial Holz, das auch mit seiner positiven CO2-Bilanz und aufgrund des geringen Eigengewichts bei den Gestaltern punkten konnte. Um der mangelnden thermischen Trägheit entgegenzuwirken, nutzten die Planer den durch den Aushub am Hang frei gewordene Boden, um dort Rohre zu vergraben, durch die frische Luft zirkulieren kann. Über die Erde wird die Außenluft temperiert und in die beiden überdachten Höfe geleitet, die als Verteiler fungieren. Im Sinne des mediterranen Bauens verfügen die Nutzer so ganz ohne aufwändige Technik im Sommer über kühle und im Winter über warme Zuluft in allen Bereichen. Lediglich ein Gebläsekonvektor hilft unterstützend bei der Steuerung, um die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit je nach Bedarf leicht zu erhöhen oder zu senken. Da die Luft das ganze Jahr über eine angenehme Temperatur von 17 oder 18ºC aufweist, hält sich der Energieaufwand für die Klimatisierung allerdings in Grenzen.
Ergänzend dazu wurden alle Wände und Türen der Korridore so konstruiert, dass die Luft über den Technikraum zu den zentral positionierten Abluftschächten und auf das Dach geleitet wird. Die Luft wird dabei direkt an den Geräten vorbeigeführt, wodurch diese ohne weiteren Aufwand gekühlt werden. Auf dem Dach selbst werden mit Hilfe von Photovoltaik-Paneelen 60.000 W Strom pro Jahr erzeugt, so dass der Fremdverbrauch gegen Null geht.
Das Projekt Casal Porta Trinitat besticht in seiner Klarheit und Zurückhaltung durch seine inneren Werte, ein smartes Haustechnikkonzept und durchdachte Details. So wirkt diese „Box“ keinesfalls monoton oder langweilig. Bei der Fassade spielten die Architekten mit unterschiedlichen Abständen zwischen den Holzlamellen, sodass in Kombination mit der Sockelebene ein Gesamtbild entstanden ist, welches das Auge zum Verweilen einlädt. Im Inneren sorgt ein Spiel aus Licht und Schatten in Verbindung mit den warmen Holztönen für eine behagliche, gedämpfte Atmosphäre. Kleine Farbtupfer wie die roten Türrahmen im Treppenhauskern oder die filigranen Metallgeländer in Weiß setzen Akzente und verliehen dem Gebäude Charakter.
Zentrum für soziale Dienste TRINITAT VELLA
Barcelona, Spanien
Bauherr: BIMSA, Ajuntament Barcelona
Planung: HAZ Arquitectura
Mitarbeiter: Manuel Sánchez-Villanueva, Carol Beuter
Statik: BAC Engineering
Haustechnik: Proisotec SLP
Bebaute Fläche: 2.300 m2
Nutzfläche: 1.987 m2
Planungsbeginn: 12/2017
Bauzeit: 03/2020 – 12/2021
Fertigstellung: 2021
Baukosten: 6.7 Mio. Euro
Text: Linda Pezzei
Fotos: José Hevia, Adrià Goula
Kategorie: Projekte












