Vielfältige Schichtung – Residenze Carlo Erba

13. August 2020 Mehr

Zeile oder Blockrand? Die Eisenman Architects in Zusammenarbeit mit Degli Esposti Architetti und AZstudio hätten sich dafür entscheiden können, das dreieckige Grundstück in Mailand mit einer Blockrandbebauung zu versehen. Für die Residenze Carlo Erba fiel die Wahl stattdessen auf einen S-förmigen Baukörper, der sich, vom Bestandsgebäude am südlichsten Punkt des Grundstückes ausgehend, weiter bis zur nördlichen Begrenzung schwingt. Er beinhaltet Wohnungen unterschiedlicher Größe, jede mit ihrem eigenen individuellen Außenraum.

 

Residenze Carlo Erba

 

Der dynamische Schwung des linienhaften Baukörpers wirkt im Stadtraum keineswegs aufdringlich. Er nimmt Momente der umgebenden geschlossenen Bebauungsstruktur in sich auf und denkt sie weiter. Anstatt eines großen und von allen Seiten umschlossenen Innenhofes entstehen so zwei kleinere Höfe, die sich zur Umgebung hin öffnen. Bereichernd wirken diese Grünflächen sowohl für die Bewohnerinnen und Bewohner des Gebäudes als auch für das gesamte Viertel.

 

Residenze Carlo Erba

 

Ein viergeschossiger Bestandsbau funktioniert als Kopfgebäude des neuen Wohnbaus. Für dessen untere Zonen gibt er die Fassadengliederung vor und auch die Materialität orientiert sich an ihm. So entsteht eine dreigeschossige Sockelzone, die mit Travertin ummantelt ist und auf das Rustikamauerwerk des Bestandbaus anspielt. Das „Piano Nobile“, das edle Geschoss, wird im vierten Obergeschoss des Neubaus durch zurückversetzen des Baukörpers interpretiert, wodurch eine schmale und beinahe umlaufende Terrasse entsteht. Überdacht wird diese von den darüberliegenden beiden Stockwerken, denn der Baukörper nimmt dort wieder an Tiefe zu. Den oberen Abschluss bilden drei Ebenen, die an vier Stellen Einschnitte besitzen, an denen sie abgetreppt sind. Alle Wohnungen dieser Etagen bekommen auf diesen Stufen einen oder sogar mehrere Außenräume zugewiesen. Eine weiß emaillierte Metallstruktur lässt den Baukörper als ein geschlossenes Volumen wirken und vermeidet das Erkennen der Terrassierung auf den ersten Blick.

 

Residenze Carlo Erba

 

Insgesamt lassen sich die neun Geschosse der Residenze Carlo Erba in vier Zonen unterteilen, die verschiedene Typologien des Wohnbaues zusammenbringen. Zeilenbau und Blockrandbebauung werden miteinander verflochten und durch aufeinander geschichtete Terrassenhäuser bekrönt. Vielfältige Außenräume stehen für jede einzelne Wohnung zur Verfügung. Loggien unterschiedlicher Größen fügen sich in den Baukörper ein, Terrassenflächen verlaufen entlang der Fassade und besetzen auch die Abstufungen der obersten Zone. Diese geschickte Kombination und Variation unterschiedlicher Typologien, sowie bekannter Motive der italienischen Baukultur können sich sehen lassen. Die Architekten versuchten, die Flexibilität der Dichte einer Stadt auszuloten – ein gelungenes Beispiel dafür, welche Richtung weiter verfolgt werden könnte.

 

 

 

Text: Alexandra Ullmann
Fotos: Maurizio Montagna, Marco De Bigontina (Dronenfotos)

 

 

Kategorie: Projekte

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