Weingenuss in alten Gemäuern
Ein eindrucksvolles Kreuzgewölbe, ein langgezogener weinroter Tisch, ein gut gefülltes Regal aus hellem Holz und eine Wand verfliest im mediterranen Stil: Wenn man das perfekte Set-Up für einen Ort für guten Wein beschreiben müsste, käme das Ensemble des bereits 1411 erstmals in der Kirchenchronik von Hörsching erwähnten Vierkanters wohl schon ganz gut hin. Federführend bei dieser Transformation eines ehemaligen Stalltrakts zum lukullischen Ort für Weinliebhaber:innen war das Team von Bogenfeld Architektur aus Linz.
„Wichtig war uns bei der Konzeption, dass das bestehende Gewölbe und die vorgefundene Raumstruktur durch den Entwurf gestärkt werden und die neue Nutzung den Bestand in seiner archaischen Form nicht schwächt“, so die Architekt:innen. Gemeinsam mit dem Bauherren und Hausherr Karl Fischer wurden die rustikalen Gemäuer im Baumgartnerhof in Hörsching in Oberösterreich kurzerhand in einen edlen Verkostungs- und Verkaufsraum verwandelt. Aus Respekt vor dem Raum hat sich das Team dazu entschieden, die Präsentationsmöbel für den Wein freistehend im Raum zu positionieren: „Wir wollten diese Elemente bewusst vom Bestand loslösen und haben in diesem Zuge auch das Material sehr sorgfältig ausgewählt.“
Während die bestehenden Strukturen dem Bestand entsprechend mit Kalkglätte versehen wurden, wurde der Boden als Kontrastpunkt zu dieser samtig anmutenden Oberfläche in homogen geglättetem Beton ausgeführt. Die Möblierung soll in ihrer schlichten, zurückhaltenden Formgebung und der Materialität in hellem Fichtenholz Assoziationen zu der typischen Verpackung von Weinflaschen wecken. Der Kombination aus harten Oberflächen und der minimalen Zurückhaltung im Raum begegneten die Planer:innen über dem maßgefertigten Degustationstisch in metallenem Bordeauxrot mit anmutig verspielten Filzlampen. Ergänzend dazu wurde verteilt über die Fläche mit schweren, ausladenden Samtvorhängen gearbeitet, die dem Raum zusätzlich Wärme verleihen und eine Zonierung bei Bedarf flexibel möglich machen.
„Nachdem Wein ein sehr hochwertiges Lebens- und Genussmittel ist, braucht er in der Präsentation und der Verkostung ein entsprechendes vis-à-vis. Ein Gesamtkunstwerk, wenn man so will“, erklärt Karl Fischer die Philosophie des Konzepts Weinfischer. So benötigt der Raum, um zu wirken, nicht viel mehr als ein paar ausgesuchte Flaschen Wein – die in diesem Falle aber keinesfalls bloße Dekoration, sondern bewusst die Stars auf der Bühne sind: mal locker drapiert auf den freistehenden Modulmöbeln, mal stringent arrangiert im wandfüllenden Setzkasten und mal prominent inszeniert in der Präsentationsnische der ornamentgerahmten Bogenwand.
Der Weinfischer beweist: Wenn man es versteht, mit dem Vorhandenen, dem Flair des Vergangenen und der Atmosphäre eines Raums zu arbeiten, dann braucht es nicht viel, um Großes zu bewirken.
Text: Linda Pezzei
Fotos: Kurt Hörbst
Kategorie: Projekte, RETAILarchitektur










