Zeitgemäßer Wandel
Das Wiener Architekturbüro GERNER GERNER PLUS. hat mit der Revitalisierung eines Gebäudes aus den 1990er-Jahren in der Porzellangasse im 9. Wiener Bezirk eindrucksvoll demonstriert, wie ein Bestandbau zeitgemäß transformiert und aufgewertet werden kann. Das ursprünglich als Bürogebäude errichtete Haus wurde innerhalb von nur 16 Monaten zu einem hochwertigen Wohnhaus mit 24 modernen Stadtwohnungen umgebaut.

Der Bau aus der Jahrtausendwende war optisch und technisch wenig herausragend und entsprach nur bedingt aktuellen Standards. Dennoch sprach die Erhaltung des Gebäudes aus ökologischen und praktischen Gründen für sich: Ein Abriss hätte nicht nur erhebliche Emissionen und Abfallmengen verursacht, sondern war aufgrund der Lage an der belebten Porzellangasse mit Straßenbahnverkehr auch logistisch herausfordernd. Ein weiterer Vorteil des Bestands war die ungewöhnlich großzügige Raumhöhe von 2,70 Metern, die heute im Neubau aus Kostengründen meist vermieden wird.
Das architektonische Konzept fokussierte sich darauf, das Gebäude nicht nur funktional, sondern auch gestalterisch aufzuwerten. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Fassadengestaltung: Die straßenseitige Ansicht wurde mit hellgrauen Klinker-Riemchen in horizontaler und vertikaler Anordnung strukturiert, wodurch eine klassisch gegliederte Erscheinung entstand, die sich harmonisch in das Straßenbild einfügt. Die dunklen Fensterrahmen greifen die Farbgebung der Umgebung auf und verstärken die elegante Wirkung. Auf der Hofseite wurde großer Wert auf Licht, Lüftung und Freiflächen gelegt. Fast alle Wohnungen verfügen über Balkone oder kleine Terrassen, die durch Stahlregale mit grafisch gegliederten Metallgeländern strukturiert sind. Der großflächig verglaste Innenhof schafft nicht nur eine visuelle Erweiterung des Wohnraums, sondern integriert auch Spielflächen für Kinder und eine direkte Verbindung zum Hinterhaus.
Auch in der Innenraumgestaltung wurde der Bestand geschickt genutzt: Das breite, ursprüngliche Stiegenhaus wurde erhalten und mit hochwertigen Materialien wie grauem Steinboden und Holzhandläufen aufgewertet. Die Wohnungen sind mit Parkett, Holz-Alufenstern und Feinsteinzeug ausgestattet. Das Satteldach wurde abgetragen und durch zwei luxuriöse Dachgeschosswohnungen mit großzügigen Terrassen ersetzt, die einen beeindruckenden Blick über Wien bieten. Besondere Aufmerksamkeit wurde zudem der Verbesserung der baulichen Qualität zuteil, da der Bestandsbau weder Estrich noch einen ausreichenden Schallschutz aufwies. Durch gezielte Maßnahmen konnten diese Mängel behoben werden.
Mit diesem Projekt beweist GERNER GERNER PLUS., dass nachhaltiges Bauen im Bestand nicht nur eine ressourcenschonende Alternative darstellt, sondern auch ästhetisch und funktional höchsten Ansprüchen genügen kann.
Fotos: © GERNER GERNER PLUS. | Zoltan Adorjani
Kategorie: Projekte








