Zwischen Bestand und Interior
Die Sanierung und Umgestaltung einer 120 m² großen Altbauwohnung im 7. Wiener Gemeindebezirk verbindet Bestandsarbeit, Umbau und Interiorplanung zu einem stimmigen räumlichen Gesamtkonzept. Geplant und umgesetzt wurde das Projekt von 24gramm Architektur zwischen Juli und September 2025. Ausgangspunkt war eine Wohnung im dritten Obergeschoss eines Biedermeier-Ensembles, das bereits 1990 von Rüdiger Lainer und Gertraud Auer saniert und durch räumlich gliedernde „Implantate“ ergänzt worden war. Diese frühere Auseinandersetzung mit Bestand, Farbe und additiven Elementen bildet auch für die aktuelle Planung eine wichtige Bezugsebene.
Das neue Konzept nimmt die geschwungenen Bestandsmauern als räumliche Leitlinie auf und ergänzt sie durch Einbauten und Möbelelemente mit ähnlich dynamischer Formensprache. So entsteht ein fließendes Raumgefüge, das mit Enge und Weite arbeitet und den Innenraum differenziert zoniert, ohne seine Zusammengehörigkeit aufzulösen. Farbe, Materialität und Oberflächenwirkung spielen dabei eine zentrale Rolle und prägen die Atmosphäre der Wohnung ebenso wie ihre funktionale Organisation.
Eine wesentliche Grundlage des Entwurfs ist der Erhalt des alten Lärchen-Vollholzbodens. Er wurde saniert und bildet zugleich den Ausgangspunkt für die Material- und Farbwahl der neuen Innenausbauten. Die lackierten Oberflächen der Einbaumöbel leiten sich von den kupfer- bis lachsfarbenen Tönen der Lärche ab und übertragen diese in das neue Interior. Auf diese Weise wird der Bestand nicht nur bewahrt, sondern in eine präzise weiterentwickelte Innenarchitektur überführt.
Besonders anschaulich wird das Konzept im Flur und im angrenzenden Wohnraum. Der nur gering natürlich belichtete Flur erhält durch einen raumhohen Stauraum mit Kupferfronten eine neue Präsenz; das reflektierende Material unterstützt die Lichtwirkung bis in den Eingangsbereich. Zusammen mit lackierten Fronten im gleichen Farbton entsteht ein fein abgestimmtes Zusammenspiel von matten und glänzenden Oberflächen. Im Eingangsbereich ergänzt eine verspiegelte Waschnische mit Lärchenladen, hellem Feinsteinzeug und Kupferarmatur die Abfolge der Einbauten. Sie interpretiert die historische Bassena neu und fungiert zugleich als alltagstauglicher Übergangsbereich.
Vom Ende des Flurs führt ein lärchenfurniertes Sideboard in den Wohnraum, wo seine geschwungene Form in eine gepolsterte Lesebank übergeht. Diese ist direkt unter einem bestehenden Oberlichtfenster angeordnet und erweitert die Sitzmöglichkeiten im zentralen Raum um einen ruhigen, natürlich belichteten Aufenthaltsort. Architektur, Möblierung und Lichtführung greifen hier unmittelbar ineinander.
Auch in den Schlafräumen wird das Material- und Farbkonzept konsequent fortgeführt. Im Schlafzimmer wird eine gesamte Raumnische einschließlich Heizkörper, Fensterrahmen, Vorhängen und Kleiderleiter in die Konzeptfarbe eingebunden. Ein naturfarbener Wollteppich schafft zusätzlich eine weiche, ruhige Fläche und definiert den Bereich vor dem Fenster. Ein Terrazzo-Beistelltisch nimmt die vorhandenen Grau- und Beigetöne auf und verbindet sie mit der kupferfarbenen Grundstimmung des Entwurfs.
Im Kinderzimmer wurde die bestehende Leiter zum Hochbett durch ein stufenförmiges Stauraummöbel ersetzt, das Erschließung, Regale und Schrankmodule in einem Element zusammenfasst. Während die Regalrückwände erneut in Lärche ausgeführt sind, bleiben Stufen und Fronten in Weiß bewusst zurückhaltend. Raumhohe cremefarbene Leinenvorhänge und lachsfarbene textile Elemente ergänzen das Farbkonzept und tragen zur ruhigen, zugleich warmen Anmutung des Raums bei.
Das Projekt zeigt einen sorgfältigen Umgang mit dem Bestand. Erhalt, Weiterentwicklung und eine präzise abgestimmte Innenarchitektur fügen sich zu einem stimmigen Gesamtbild.
Fotos: Martin Weiss
Kategorie: Projekte








