Kolonialstil und Moderne

3. Februar 2020 Mehr

In Indien gibt es immer wieder einen Wettstreit zwischen – dem Westen abgeschauten – modernem Design und der eigenen Tradition. Das Architekturbüro von Ravish Mehra Deepak Kalra aus New Delhi, Indien hat bei einer Ladeneinrichtung einer Produktionsfirma von Süßigkeiten den (für Indien) perfekten Mix aus Tradition und modernem Design geschaffen.

 

 

Der Auftraggeber Ksheer Sagar stammt aus ­Varanasi*) und wollte nicht auf eine gewisse Hommage an seinen Herkunftsort verzichten. Also entwarfen die Architekten den Shop als eine elegante Mischung aus Luxus und dem Charme der alten Welt. Eine Vielfalt von Materialien, Farben und Texturen sind geschickt in ein bescheidenes, aber doch luxuriöses Ambiente verwandelt worden. Eine von der Stadt Varanasi inspirierte analoge Farbpalette und der Gebrauch von natürlichen Materialien passt zu den Produkten in den Displays und fügt auch einen warmen, heimeligen Gesamtton hinzu.

 

 

Es ist die Zelebrierung vom ersehnten Spleen eines internationalen Shops, gemischt mit der Üppigkeit des indischen Kontextes und dem Geschmack der Jugend des Landes. Es gibt im Inneren ein paarweise angeordnetes glattes, schwebendes Display, umschlossen von gefärbtem Glas und Messingstangen. Das bildet – zusammen mit einem eigenen Fliesenbelag am Boden – eine Passage der Entdeckungen und auch das Herz des Shops. Darüber hängt als Reminiszenz an das Alte eine schwere, raue Holzbalkendecke.

Traditionelle Motive der Tempel sind neu interpretiert in klaren geometrischen Mustern in der mondänen Deckenverkleidung aus Metall zu finden – ein nostalgischer Touch im modernen Kontext. Auch die schon erwähnten Bodenfliesen in der Mitte sind eine Ableitung aus traditionellen Mustern. Die Beleuchtungskörper aus geschlagenem Messing und das Messingdisplaysystem erinnern stark an die englische Kolonialzeit Indiens, aber auch an traditionelle Gefäße aus der Stadt Varanasi. Die Wände mit ihrem offen liegenden Ziegelmauerwerk und die teilweise holzverkleideten Stauräume erzeugen eine fast düstere Stimmung, die jedoch von der roten Farbe – ein Zitat der religiösen Tempel von Varanasi – wieder aufgehellt wird. Weiß dient in der Farbpalette dazu, einen Ausgleich zum eher dominanten Rot zu finden.

 

Fotos: Vibhor Yadav
Text: Peter Reischer

 

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Kategorie: RETAILarchitektur

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