Butterfly Pavillon Noor Island

2. Mai 2016 Mehr

Im goldenen Käfig. Auf Noor Island, einer Laguneninsel in der Mitte von Sharjah (Schardscha), der Hauptstadt eines der Arabischen Emirate, ist im Auftrag der Firma Artevent von Andre Heller aus Wien, durch das deutsche Designstudio 3deluxe ein 2,5 Hektar großer Themenpark entstanden. Sein Herzstück ist ein goldener Pavillon. Der Name – Butterfly Pavillon – deutet schon auf den Inhalt hin. In seinem Inneren, losgelöst von der goldenen Haut ist eine völlig abgeschlossene Biosphäre in einer Glashülle installiert – in ihr dürfen sich über 500 Schmetterlinge zur Erbauung der hauptsächlich arabischen Gäste tummeln.

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Die Form und das Design der äußeren Hülle des Bauwerkes ist das Ergebnis eines parametrischen Design-prozesses in Verschmelzung mit traditionellen arabischen Ornamenten: eine hochkomplexe Form als Ergebnis von lastabtragenden 3D-Rahmen und über 4.000 goldenen Aluminiumblättern in verschiedenen Größen. Das Schattenspendende Dach ist aber nicht nur das Ergebnis einer designten Formgebung. Es dient auch dazu, das Klima im Inneren zu regulieren, ohne die Aufmerksamkeit darauf zu richten. So trägt es durch einen Kamineffekt zur Entlüftung der heißen Luft bei, während gleichzeitig die im unteren Bereich einströmende Frischluft über künstlichen Wasserbecken befeuchtet und gekühlt wird. Die Ausdehnung der Dachfläche, die an einigen Punkten 13 Meter Höhe erreicht, bedeckt die immense Fläche von 800 m2. Drei miteinander verbundene Freiformsektionen sorgen für die nötige Gesamtstabilität, wobei das ganze Dach auf nur neun Punkten aufgelagert ist.
Die gesamte, nur 20 cm starke Dachkonstruktion wurde vorgefertigt und an Ort und Stelle zusammengebaut. Die Einzelelemente sind durch ein intelligentes Knotensystem verbunden, wobei jeder der Knoten alle möglichen Winkel und Lastabtragungen aufnehmen kann. In den Knotenpunkten sind auch LEDs integriert, sie können individuell gesteuert werden, die Zuleitungen und Steuerungen sind in der Tragstruktur verborgen. Während der Nacht kann so ein theatralischer Beleuchtungseffekt erzielt werden. Man stelle sich einen Lichtschwarm vor, der über die Außenfläche zieht.

Auch die goldene Farbe des Pavillons verdient eine Erwähnung. Sie muss der maritimen Witterung widerstehen, der salzigen Luft, den hohen Temperaturen, der starken UV-Strahlung und dem mechanischen Einfluss der Sandstürme. Drei verschiedene Oberflächen mussten so behandelt werden, dass sie schlussendlich die gleiche Oberfläche und Anmutung aufwiesen. Man verwendete flüssige Farbe zum Streichen der Stahlteile, Farbpulver für die gegossenen Teile und das Aluminium wurde anodisiert. Der Schlussanstrich erfolgte vor Ort, nachdem alles aufgebaut war.
Unter der goldenen Konstruktion befindet sich ein Glaskubus mit einer polygonalen Form, ein künstliches Ökosystem, in dessen Regenwaldatmosphäre unzählige Schmetterlinge wie in einer versiegelten Klimazone leben. Die Stahlstruktur der Biosphäre ist mit einer glänzenden Oberfläche versehen, in ihr sind zahlreiche, organisch geformte Öffnungen, die Aus- und Einblicke gewähren. So wird für den Innenraum und die Schmetterlinge der Eindruck eines tropischen Blätterdaches erzielt.
Dieses Regenwald-Biotop bedeckt 230 m2 und bietet spektakuläre Landschaften. Inseln mit tropischen Pflanzen sind in einer dreidimensional modellierten Oberfläche eingebettet. Dieses handgefertigte 3D-Puzzle besteht aus einem thermisch verformten Stoff namens KRION®, ein mineralisches Material, das mittels eines speziellen Sublimationsdruckverfahrens behandelt wurde. Durch diese Methode wird der Eindruck eines Schablonendruckes vermieden und das Motiv referiert an das florale Muster des Daches. Das Material ist nahtlos von Boden zur Wand ornamental gestaltet.
Mitten in der blühenden Biosphäre ist noch ein modernes Café situiert, seine Gestaltung ist von der Wasserlilie inspiriert. Über dem Sitzbereich im Herzen des Cafés schwebt eine Skulptur aus Licht und Stoffbändern. Die Möblierung ist hauptsächlich weiß und – verglichen mit dem Außenraum – ist es angenehm kühl im Inneren.

Fotos: ©JoaquínBusch, BjörnAsmussen

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Kategorie: News

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