Hotel Casa Modesta Portugal

15. Juni 2016 Mehr

Urlaub und Wohnen.
Casa Modesta / Portugal / PAr, Plataforma de Arquitectura

Wohnen muss der Mensch auch im Urlaub, mancher im Zelt oder Campingbus, mancher in einer Pension oder im Hotel. An der Algarve, der südlichsten Region Portugals (sie ist touristisch stark erschlossen) bieten sich viele Urlaubsdestinationen an. Eine davon ist der Ria Formosa Nationalpark, eine unter Naturschutz stehende Lagunenlandschaft. Hier liegt die Casa Modesta, ein kleines Hotel mit „nur“ neun Suiten mit jeweils angeschlossenen Badezimmern. Entworfen wurde es vom portugiesischen Büro PAr, Plataforma Arquitectura, gegründet von drei jungen Architektinnen – Vânia Brito Fernandes, Joana Carmo Simões und Susana Dos Santos Rodrigues.

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Fernandes war in diesem Projekt beides, sowohl Kunde wie auch Planer, denn das ehemalige Familienanwesen, aus dem dann ein Hotel wurde, gehörte ursprünglich ihren Großeltern. Auf dem bewaldeten Grundstück befanden sich zwei alte Gebäude aus den 1940er Jahren und ein Wassertank. 2011 fasste man den Entschluss, das alte Haus in ein ländliches Hotel umzubauen. Das Vorhaben sollte der Prototyp eines Architekturkonzeptes werden, das traditionelle Architektur mit heutiger Logistik verbindet und modern interpretiert. Und geworden ist daraus auch eine ziemlich stylishe, aber interessante Neuinterpretation traditioneller portugiesischer Architektur. Es ist auch mehr als ein einfaches technisches und ästhetisches Upgrade, denn schon zu Beginn fasste man den Entschluss, an der gleichen Stelle und mit demselben Footprint und Volumen zu arbeiten. Die Beziehungen und Distanzen der beiden alten Häuser sollten beibehalten werden, genauso wie relevante Elemente der traditionellen, regionalen Architektur: der Wassertank, die flachen Dachterrassen, außen liegende Stiegen, überdachte Höfe, der Holzofen und die Wasserzisterne.

Vier parallele Stiegen führen auf die Dachterrasse des ersten Volumens, sie bietet den Gästen einen Ausblick auf die nahe Lagune. In diesem Gebäude sind vier Suiten, entlang einer Küche und dem Speisebereich mit einem Kamin für ein Holzfeuer, situiert. Bogenförmige Öffnungen in den Seitenwänden schaffen einen Gang, von dem aus die Zimmer erschlossen werden. Durch die Stiegen werden die, zu den Zimmern gehörenden, privaten Höfe definiert. Zwischen den Stiegenwänden sind Hängematten für die Gäste, durch Balustraden vor dem jeweiligen Nachbarn verborgen und geschützt.
Das zweite Volumen enthält vier weitere Zimmer im ersten Stock und eine Selbstversorger-Suite mit kleiner Küche und Aufenthaltsbereich mit Ziegelgewölben und Holzmöblierung im Erdgeschoss. Es gibt einen Garten mit organisch angebautem Gemüse aus der Region, ein Solarium und das SPA-Angebot bezieht die natürlichen, lokalen Ressourcen wie Oliven, Mandeln und Algae mit ein.

Die Planer schufen autonome Räume, die jedoch mit dem Kern des Hauses, mit der Küche und dem Aufenthalts- und Speiseraum, verbunden sind. Daneben befinden sich allgemein genutzte Zonen, z.B. für Workshops, und der Wassertank, den man in einen Pool transformiert hat. Auch wenn nur Teile der alten Mauern erhalten blieben, bewahrt der zeitgenössische Neubau doch den Geist des ursprünglichen Besitzes, denn er basiert auf alten Bautraditionen und lokalen Materialien. Die strenge Geometrie der weißen Wände trifft auf den warmen Erdton der Terrakottaböden. Lampen und Armaturen aus Messing geben dem minimalistischen Look eine glamouröse Note. Zum Einsatz kamen lokale Handwerker, man nutzte traditionelle Techniken, das Design ist zeitgenössisch, einfach, authentisch und poetisch.

Überall schwingen lokale Erinnerungen mit: Die Badewannen sind groß und tief im Boden versenkt, wie bei öffentlichen Bädern oder Brunnen. Jedes Zimmer hat seinen eigenen Hof und eine Dachterrasse, alle Fenster sind auf die Lagune gerichtet. Verwendete Materialien sind alle aus der unmittelbaren Nähe und es scheint, als ob sie schon vor der Renovierung hier gewesen seien – handgefertigte Tonfliesen, der rote Sandstein, Kork als Isolierung, die Kupferbeschläge. Am Ende behielt die Architektur ihre eigene Identität, verdichtet und intensiviert nur von der Restauration und dem Geist der Benutzer.

Casa Modesta
Algarve, Portugal
Bauherr:
Casa Modesta
Planung: PAr. Plataforma de Arquitectura
Mitarbeiter: Vânia Brito Fernandes, Joana Carmo Simões, Susana Dos Santos Rodrigues
Statik: Plann Engineering
Grundstücksfläche: 394 m2
Bebaute Fläche: 394 m2
Nutzfläche: 326 m2
Planungsbeginn: 2011
Bauzeit: 12 Monate
Fertigstellung: 12/2014
Baukosten: 600.000 Euro

Fotos: ©João Carmo Simões

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Kategorie: News

Ausgabe 6/2020 Material & Oberfläche

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