Design aus Stahl am Donauufer: Neue Anlegestelle für Twin City Liner

17. Dezember 2009 Mehr

Wien / Oberwart – Ab April 2010 hat Wien einen Innenstadthafen – und die beiden Twin City Liner eine neue, aufsehenerregende Anlegestelle für die täglichen Fahrten nach Bratislava: Die „Schiffstation Wien City“ wird, über dem Wasser schwebend, etwa zehn Meter in den Donaukanal ragen. Getragen wird die Konstruktion von Stahlelementen der österreichischen Unger Steel Group, die Stahl damit einmal mehr als bedeutende Säule der modernen Architektur in den Vordergrund rückt.

Eine Anlegestelle für Ausflugsschiffe zu bauen, ist für sich allein genommen schon eine anspruchsvolle Aufgabe. Eine Meisterleistung jedoch ist es, diese Anlegestelle frei über dem Wasser schweben zu lassen – und sie dabei mit einer Tragkraft von rund 300 Tonnen auszustatten, was dem Gewicht eines Railjet-Zuges entspricht. Die Unger Steel Group hat diese Herausforderung angenommen und ist als Bauführer verantwortlich für die gesamte 140 Meter lange Stahlkonstruktion, die Betondecke des zweistöckigen Bauwerks und die Zugangsrampen zur neuen Schiffsstation.

„Stahl ist ein entscheidendes Statik- und Designelement in der modernen Architektur: Er ist leicht und dabei äußerst tragfähig. Darüber hinaus ist Stahl mit jedem anderen Baustoff hervorragend kombinierbar“, sagt Josef Unger, Geschäftsführer der Unger Steel Group, die sich in den vergangenen Jahren erfolgreich vom Stahlbauunternehmen zum Generalunternehmer für maßgeschneiderte Lösungen aller Art entwickelt hat. „Stahl ist für ein Projekt wie dieses wie geschaffen, da es höchste Anforderungen auf statischer wie architektonischer Ebene erfüllt.“

Ein Innenstadthafen für Wien.
Diese beiden Charaktereigenschaften standen auch an oberster Stelle im Anforderungsprofil des Auftraggebers, der Wiener Donauraum Länden und Ufer Betriebs- und Entwicklungsgesellschaft m.b.H. Verantwortlich für die Architektur ist das Wiener Büro fasch&fuchs.ZT-gmbh. Die Schiffstation Wien City wird wie die bisherige Anlegestelle zwischen der Marienbrücke und der Schwedenbrücke liegen – anders als diese ist sie jedoch nicht nur Anlegestelle für die beiden Twin City Liner und andere Ausflugsschiffe: „Die Station wird die Vorkaiflächen am Donaukanal weiter aufwerten“, sagt Donauraum-Geschäftsführer Dr. Ronald Schrems. „Sie wird ein Gate zu Bratislava sein, ein Infopoint für Passagiere.
Darüber hinaus wird die neue Schiffstation den Bereich rund um den Schwedenplatz aufwerten: Der Schwedenplatz bekommt ein neues Gesicht – und die Wiener Innenstadt einen eigenen Hafen.“

Diesen Hafen nutzen jedes Jahr rund 150.000 Passagiere: Gäste aus aller Welt gehen von hier aus in Richtung Bratislava auf die Reise – oder nehmen, von Bratislava kommend, am Wiener Kai erstmals Kontakt mit der Stadt auf. „Wien und Bratislava wecken bei internationalen Gästen großes Interesse – nicht zuletzt wegen ihrer gemeinsamen Vergangenheit“, sagt Matthias Unger, Head of Corporate Affairs in der Unger Steel Group. „Durch den Twin City Liner rücken die Städte wieder näher zusammen. Wir sind stolz, an diesem symbolischen Brückenneubau maßgeblich beteiligt zu sein.“

Stahl und Leichtbeton: leichte Mischung.
Die Stahlkonstruktion des Innenstadthafens wird die Unger Steel Group bis Ende Oktober fertigstellen, im Frühjahr 2010 soll die neue Schiffstation Wien City feierlich eingeweiht werden. Ab diesem Zeitpunkt wird sie ihren Passagieren auf zwei Etagen und einem Sonnendeck ein deutliches Plus an Komfort bieten – und einen Einblick in die moderne österreichische Architektur, die mit den internationalen Gästen um die Welt gehen wird.

Einen bleibenden Eindruck wird die Statik der Schiffstation hinterlassen: Die volle Länge des 140 Meter-Bauwerks ruht auf nur drei Stützen, Teile der Schiffstation ragen über dem Wasser knapp zehn Meter weit in den Donaukanal. Möglich ist dies durch die einzigartige Vielseitigkeit und die hohe Tragkraft des Baustoffs Stahl: „Stahl ist wie geschaffen für auskragende Bauwerke wie dieses“, sagt Harald Besenhofer, Projektleiter bei der Unger
Steel Group. „Die Stahlteile lassen sich in unseren Fertigungshallen nahezu beliebig formen, werden vor Ort montiert und erreichen hohe Tragkraft bei gleichzeitig niedrigem Eigengewicht. Das bedeutet rasche Montage, hohe Sicherheit und architektonisch anspruchsvolle Lösungen mit Qualität.“

Die Verträglichkeit von Stahl mit anderen Materialien kommt auch der neuen Schiffstation zugute: Im Rahmen einer engen Partnerschaft zwischen Unger und dem Baustoffhersteller Lafarge entsteht ein spezieller Leichtbeton, der für Unger erstmals in Österreich produziert wird. „Erst das geringe Eigengewicht der beiden Baustoffe macht es möglich, ein Projekt wie dieses zu realisieren“, sagt Harald Besenhofer: Während Ingenieure für herkömmlichen Beton mit einem Gewicht von 2.400 kg/m3 rechnen müssen, weist der neuartige Leichtbeton ein Gewicht von lediglich 1.950 kg/m3 auf.

Auf einer Fläche von 7.000 m2 werden rund 300 to Stahl verbaut, die Höhe des Bauwerks wird zwölf Meter betragen. An den Baustandort in der Innenstadt werden die Stahlteile mit 15 Sondertransporten befördert, jeder davon hat eine Breite von sechs und eine Länge von 45 Metern – dies macht die Schiffstation Wien City nicht nur zu einem architektonisch bedeutsamen Projekt Wiens macht, sondern auch zu einem der logistisch anspruchsvollsten.

Kategorie: Tagesaktuelles