Energiesparen als Grundstein, Integration als Schlüssel

14. Juni 2010 Mehr

Energieexperten der Technischen Universität (TU) Wien diskutieren Realisierungsmöglichkeiten bei Plus-Energiegebäuden.

Experten der TU Wien zeigten bei einer Informationsveranstaltung für Firmen, in Kooperation mit der Wirtschaftskammer Wien, Umsetzungsmöglichkeiten für energieaktive Gebäude auf und präsentierten ihre aktuellen Forschungsprojekte. Diese Thematik wird in einem breiten interdisziplinären Ansatz bearbeitet und vom TU-Forschungszentrum Energie und Umwelt koordiniert.

Das große Ganze

Sogenannte „Plus-Energiehäuser“ erwirtschaften einen Überschuss an nutzbarer Energie, der im besten Fall auch in bestehende Stromnetze eingespeist werden kann. Dies könnte einen Beitrag zur nachhaltigen Energienutzung liefern, da zumindest Teilabdeckungen des Eigenbedarfs sowie Exporte von erneuerbarer Energie bei Spitzen möglich seien. Die Forscher waren sich aber einig, dass es wichtig ist, das „Plus-Energiehaus“ nicht herausgelöst aus seinem Umfeld zu betrachten, wenn es um Nachhaltigkeitskriterien geht. Prof. Dietmar Wiegand, Fachbereich Projektentwicklung und Projektmanagement, rechnet vor, dass die Nutzung eines Passivhauses in ländlichen Strukturen wesentlich mehr CO2-Eintrag bringt als eine Standard-Wohnung in der Stadtgebiet, da die Emissionen auch mitberücksichtigt werden müssten. Allerdings können auch im Stadtgebiet positive Energiebilanzen mit der jetzigen Kollektor- und Speichertechnologie nur schlecht erreicht werden, wie Prof. Ardeshir Mahdavi, Department für Bauphysik und Bauökologie, an einem Beispiel im Hausbestand erläutert.

Wie kann das „Plus“ bei energieaktiven Gebäuden erreicht werden?

Grundvoraussetzungen für eine Erreichung einer positiven Energiebilanz sind eine gut geplante Gebäudehülle, die den Bedarf an thermischer Energie stark reduziert, und eine effiziente z.B. prädiktive Regelung von jahres- und tageszeitlichen Schwankungen, wie Prof. Karl Ponweiser vom Institut für Energietechnik und Thermodynamik erörtert. Damit verbunden ist auch die Notwendigkeit Energie möglichst verlustfrei umzuwandeln und effiziente Speichertechnologien zu entwickeln, da das Energiedargebot und der Bedarf selten deckungsgleich sind. Vor allem der Bedarf für „weiße Ware“ (Haushaltsgeräte) und Unterhaltungselektronik ist enorm, aber auch mit einem hohen Einsparungspotential verbunden, das im Zusammenspiel mit intelligenter Heim- und Gebäudeautomation erreicht werden kann.

Prof. Wolfgang Kastner vom Arbeitsbereich Automatisierungssysteme des Instituts für Rechnergestütze Automation hält fest, dass aktuelle Haustechniksysteme zu wenig integrativ arbeiten und kaum auf Witterungsverhältnisse, Veränderungen im Baubestand, Nutzungsart und -grad Rücksicht nehmen. Im Rahmen des FFG-Projekts „ThinkHome“ wird zur Zeit an einem Systemkonzept gearbeitet, das Einsparungspotentiale bestmöglich ausschöpft und mit Mechanismen der künstlichen Intelligenz versucht, energieeffizient und benutzerbezogen die zugrundeliegenden Haustechniksysteme zu steuern.

Plus-Energiehäuser entstehen also durch eine massive Bedarfsreduktion und nicht durch die Photovoltaikanlage am Dach, fasst Prof. Bednar vom Forschungsbereich Bauphysik und Schallschutz am Institut für Hochbau und Technologie, zusammen. Das „Plus“ kann nur durch die Einspeisung elektrischer Energie kommen, da Bedarf für thermische Energie im Zuge des Passivhaus-Booms eher gering ist.

Die Berücksichtigung von Lebensstilen ist entscheidendWissenschaftlich betrachtet sind die Schlüsselkriterien für energieaktive Gebäude eine integrative Planung, begleitendes Monitoring von der Planung bis zum Betrieb und die Optimierung der Methoden im pro-aktiven Betrieb. Risk-Assessment Analysen sowie Simulationen sind dabei wichtige Werkzeuge, die globalen Ziele erreichen zu können. Im Projekt „ÖNORM Plusenergie“ werden gemeinsam mit öffentlichen Entscheidungsträgern diese erarbeitet und definiert, um einheitliche Standards zu erstellen.

Die Integration der Benutzer und deren Lebensstile ist hierbei ein entscheidender Faktor, um eine positive Bilanzierung erreichen zu können. Bei einer integrativen Planung wird dies auch bis zur Inbetriebnahme berücksichtigt. Im laufenden Betrieb wird dann aber kaum auf Veränderungen eingegangen und so liegen Optimierungspotentiale brach. Die Wissenschafter regten an, ein Benutzerhandbuch für die HausbewohnerInnen zu entwickeln, um auf diese Veränderungen besser reagieren und so auch diese Potentiale optimal nützen zu können.

Laufende Forschungsprojekte an der TU Wien beschäftigen sich sowohl mit der Planung und Optimierung von Zweckbauten im Dienstleistungsbereich (z.B. das „Plus-Energie“-Gebäude am Getreidemarkt) als auch mit der Erreichung von erhöhter Energieeffizienz in Industrie und Gewerbebetrieben (z.B. FFG-Projekt INFO), wo die Frage der Energieoptimierung in Fertigungsbetrieben fakultätsübergreifend behandelt wird. Im FFG-Projekt „Gebäudeintegration“ arbeiten 5 Institute interdisziplinär an Fragestellungen einer optimalen Gestaltung der Gebäudehülle nach unterschiedlichen Kriterien für Neubau und Sanierungen, um Wärmeverluste zu minimieren und Gewinne aus erneuerbarer Energie zu maximieren. Dabei werden ökologische, architektonische, raumplanerische sowie sozioökonomische Aspekte behandelt, um einen Standard für ein „Plus-Energiehaus“ mit minimalen Kosten und maximaler Effizienz erreichen zu können.

Kategorie: Tagesaktuelles

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