KALT & WARM – Projektauftakt in Kärntens Haus der Architektur

26. November 2009 Mehr

Heiße Diskussion bei unterkühlter Raumtemperatur im Napoleonstadel

Am Dienstag den 17. November fand im Napoleonstadel in Klagenfurt die STARTveranstaltung von KALT & WARM statt. Dabei präsentierten die beiden Kuratorinnen Gordana Brandner-Gruber und Astrid Meyer-Hainisch Themen und Ziele  sowie die ersten geplanten Programmpunkte des mehrjährigen Projekts zur Vermittlung von Baukultur in den Seen- und Thermenregionen im Alpen-Adria Raum. Den Impuls für die anschließende Podiumsdiskussion lieferte der Vortrag von Prof. Boris Podrecca, Architekt im Alpen-Adria Raum und Planer des Neuen Platzes, über Tourismusarchitektur im Wandel.

„Je mehr sich die allgemeine Globalisierung der Umwelt ausbreitet, desto stärker werden gerade für touristische Einrichtungen und Investments ortskontextuelle und identitätsprägende Prämissen im Vordergrund stehen“, ist Podrecca überzeugt. In seinem Vortrag forderte er „eine Leitkultur, die von Staat und Behörde nicht apodiktisch geregelt wird, sondern die Akteure vernetzt und zwischen schwer überbrückbaren Welten von Verwaltung, Immobilienbranche und Praktikern vermittelt. Wichtig ist, dass die Kontingenz von Baukultur akzeptiert wird.“

Auch Peter Fercher, Leiter der Landesplanung der Kärntner Landesregierung, will „Identitätsräume“ sehen und bezeichnet den Alpen-Adria Raum als „Zukunftsraum“, der mehr Verantwortung für geordnete Raumentwicklung übernimmt, vom sparsamen Umgang bis zur qualitätsvollen Gestaltung in den Orten. Gernot Riedel, Geschäftsführer der Wörthersee Tourismus GmbH, warnte davor, austauschbare Kulissen zu schaffen und verwies auf die Unverwechselbarkeit der Wörtherseearchitektur. Am Beispiel Vorarlberg erläuterte er, dass „zeitgenössische Architektur mit der regionalen Authentizität kompatibel sein soll“ und kritisierte in Kärnten die „Indifferenz in der Architektur“. Der Vorsitzende der Zentralvereinigung der Architekten Kärntens Reinhold Wetschko will vielmehr das Alte durch das Neue zum Klingen bringen. Er regte an, schlechte nicht funktionierende Strukturen zu entfernen und die Ortszentren zu verdichten, um einem Sterben entgegen zu wirken. Julischka Politzky, Betreiberin des Casinohotels Velden, kritisierte, dass es der Politik in den letzten 20 Jahren nicht gelungen sei, die Errichtung von Apartmentbauten einzudämmen und verwies auf den Nutzungskonflikt zwischen Hotelgästen und Apartmentnutzern.

Architektin Sonja Gasparin wies in der folgenden Diskussion auf die Problematik hin, dass seitens der Betreiber Apartments bevorzugt würden und Peter Fercher bestätigte, dass rund 3.000 Umnutzungsanträge pro Jahr gestellt würden. Schutzzonen auszuweisen, die nicht verbaut werden dürfen, sei die vorrangige Lösung, meinte Architektin Eva Rubin. Gerfried Ogris von ogris wanek Architekten erkannte das Problem in zu groß gewidmeten Neubauten, die keinen Spielraum für Gestaltungsqualität lassen, um der Rendite der Auftraggeber Rechnung zu tragen. Architekt Gerhard Kopeinig bescheinigte der Ortsbildpflege als Instrument für qualitative Ortsentwicklung ein laufendes Zuspätkommen und erklärte, der Wörthersee sei bereits seit Baumgartner urbanisiert. Er forderte daher wie Architekt Reinhold Wetschko eine Nachverdichtung der Zentren. Wetschko erklärte, dass erst eine seriöse Planung die Dichte festlegen könne und empfahl Vorhandenes zu stärken. Riedel verwies auch auf die vielen kleinen Betriebe und riet, diesen Perspektiven aufzuzeigen. Einig waren sich Podium und Publikum darin, dass man das Gespräch suchen und Verständnis entwickeln müsse. Diesen Bewusstseinsbildungsprozess voran zu treiben, ist ein wichtiges Ziel von KALT & WARM.

www.kalt-warm.org

 

Foto: Julia Petz

Kategorie: Tagesaktuelles