“Stadt muss leben” – Leitbild Nordwestbahnhof

7. September 2009 Mehr

Grundstein für Neunutzung des heutigen Frachtenbahnhofes

Wien (OTS) – Der Nordwestbahnhof wird derzeit noch als Frachtenbahnhof genutzt. Bis 2025 soll auf dem Areal ein neuer Stadtteil entstehen, der alle Qualitäten des innerstädtischen Wohnens und Arbeitens mit höchstem Freizeit  und Erholungswert vereint.
Herzstück dieses Stadtviertels ist eine Grüne Mitte. Die Neunutzung des Nordwestbahnhofes bietet die historisch einmalige Chance, die beiden bislang durch Bahnanlagen getrennten Bezirkshälften der Brigittenau zu verbinden. Das nun vorliegende Leitbild bildet den Grundstein für die weiteren Planungen im Gebiet. Federführend bei den Planungen ist die MA 21 A – Stadtteilplanung und Flächennutzung.

“Wien wächst. Deshalb brauchen wir zusätzliche, hochwertige Wohnungen, Schulen, Kindergärten und Dienstleistungseinrichtungen mit guter Verkehrsanbindung. Hier kommt uns sehr gelegen, dass einige innerstädtische Frachtenbahnhöfe, wie zukünftig etwa auch der Nordwestbahnhof, betrieblich nicht mehr benötigt werden. Sie können zu attraktiven Stadtteilen in zentraler Lage entwickelt werden”, betonte am Montag Stadtrat Rudi Schicker. Und weiter: “Die Realisierung wird sich über mehr als ein Jahrzehnt erstrecken. Das Leitbild muss deshalb flexibel und robust genug sein, um auf geänderte Vorgaben, Bedürfnisse oder Anforderungen reagieren zu können”.

Der Bezirksvorsteher der Brigittenau, Hannes Derfler, ergänzt: “Auch wenn es sich hier um eine mittel- bis langfristige Realisierung handelt, so ist eine Auseinandersetzung mit dem Thema bereits heute mehr als sinnvoll. Der bisherige Planungsprozess war von einer unglaublich positiven und harmonischen Stimmung geprägt. Diese Euphorie war bei allen Beteiligten zu spüren: bei den PlanerInnen, den beteiligten Bürgerinnen und Bürgern , den politischen EntscheidungsträgerInnen und beim Grundstückseigentümer ÖBB. Der einzige Wermutstropfen ist, dass wir uns mit der Umsetzung noch einige Jahre gedulden müssen”.

Claus Stadler, Geschäftsführer ÖBB-Immobilienmanagement GmbH, hebt hervor: “Die ÖBB wollen zur Zukunft Wiens beitragen. Wir entwickeln deshalb gemeinsam mit der Stadt nicht mehr benötigte innerstädtische Bahnhofsareale. Ein solches Gebiet ist auch der Nordwestbahnhof, der mittelfristig Platz machen wird für ein modernes Stadtviertel. Am Nordwestbahnhof läuft eines der spannendsten Stadtentwicklungsprojekte Europas. Die Ergebnisse des Ideenwettbewerbes zeigen, welches Potenzial dieser Raum hat. Wir als ÖBB sind stolz, Teil dieses großen und zukunftsweisenden Projektes zusein!”

Architekt Bertram Ernst ist wichtig, dass sich der Nordwestbahnhof zu einem lebendigen Stadtquartier entwickelt: “Mitten in Wien, offen für alle, voller Lebensqualität und Lebensfreude”.

Neuer Güterterminal künftig am südlichen Stadtrand

Das derzeit noch auf dem Nordwestbahnhofareal abgewickelte Güterverkehrsvolumen und die damit verbundenen Logistikfunktionen sind ein bedeutender Faktor des Wirtschaftsstandortes Wien. Sie sollen zum Güterterminal Inzersdorf verlagert werden. Der Ausbau dieses Standortes bildet die Voraussetzung für die städtebauliche Umnutzung des Nordwestbahnhofes. Zugleich müssen natürlich die Erlöse aus der Verwertung des Areals zur Finanzierung des neuen Standortes beitragen. Mit der Entscheidung der ÖBB, die Abwicklung des Güterverkehrs an den südlichen Stadtrand – nach Inzersdorf – zu verlagern, wird ein städtebaulich bedeutendes Grundstück der Stadt Wien zurückgegeben.

Grundsätze und Ziele des Leitbildes

Bis 2025 soll am Nordwestbahnhof ein neues Viertel entstehen, das alle Qualitäten des innerstädtischen Wohnens und Arbeitens mit höchstem Freizeit- und Erholungswert vereint. Über die Grüne Mitte, ein großzügiger Grün- und Freiraum, der sich durch das gesamte Stadtviertel zieht, werden Arbeiten und Wohnen, Einkaufen und Erholen, Sport und Kultur, soziale Kontakte und zeitgemäßes Design miteinander vernetzt.

Im Leitbild “Stadt muss leben” sind allgemeine Ziele formuliert. Konkret widmet sich das Leitbild den Themen städtebauliche Struktur, künftige Bebauung, Grün- und Freiraum, öffentlicher Raum und Verkehr. Es werden auch Aussagen zu Umsetzung und Wirtschaftlichkeit gemacht. Die Grundsätze und Ziele sind im Zuge des weiteren Planungs- und Umsetzungsprozesses laufend zu überprüfen und weiterzuentwickeln.

Das Leitbild schafft größtmögliche Flexibilität unter dem Aspekt “so viele Festlegungen wie nötig, so wenige wie möglich”. Regeln sichern die grundsätzliche Qualität des Leitbilds (großzügige Freiräume, klare Adressbildung, vielfältige Nutzungsmischung). Innerhalb dieser Regeln besteht größtmögliche Freiheit. Unterschiedliche InvestorInnen können vielfältigste Architektur in unterschiedlichen Nutzungsmischungen umsetzen. Dies sichert ein vielfältiges und lebendiges Bild der Stadt und ermöglicht eine große Flexibilität in der zukünftigen Entwicklung des Areals. Das Konzept sieht eine Entwicklung in Etappen vor.

Die weiteren Planungsschritte

Die auf Basis des Leitbilds folgenden nächsten Planungsschritte umfassen etwa Studien für einzelne Baufelder, Detailkonzepte für die Themenfelder Freiraum und Verkehr, Flächenwidmungs- und Bebauungspläne sowie die Durchführung von Wettbewerben für Schlüsselbereiche. Der für das Leitbild gewählte interdisziplinäre Planungsansatz ist Vorbild für alle weiteren Schritte.

Die im Leitbild formulierten Qualitäten sind Vorgabe für die weitere Bearbeitung und sollen in künftige Wettbewerbe und Ausschreibungen einfließen. So können sozialen Qualitäten zum Beispiel durch Zieldefinitionen in Hinblick auf ausreichende Besonnung/Beschattung oder ausreichend große Kinderspielplätze und soziale Infrastruktur festgeschrieben werden.

Die Steuerung des weiteren Prozesses und die Sicherung der im Leitbild festgeschriebenen Qualitäten soll auch durch ein Gebietsmanagement (etwa eine Entwicklungsgesellschaft) erfolgen.

Einige der Zielvorstellungen des Leitbildes können durch die Flächenwidmung nicht oder nur ungenügend sichergestellt werden – etwa die Bildung gemeinsam von den BewohnerInnen nutzbarer Innenhöfe bei mehreren Grundstückseigentümern sowie Gemeinschaftsgaragen. Im Zuge zukünftiger Eigentumsübertragungen ist daher eine gemeinsame Vorgangsweise zu finden, die diese Punkte berücksichtigt.

Im Zuge der ersten Entwicklungsphase im Bereich der Hellwagstraße ist die Errichtung eines, das Bahnareal überbrückenden Steges zwischen Wallensteinstraße und Traisengasse angedacht. Mit diesem Steg könnte man frühzeitig die bestehende Barriere zwischen den beiden Brigittenauer Bezirksteilen beseitigen und damit bereits einen ersten “Mehrwert” für die BewohnerInnen des 20. Bezirkeserzielen.

Die Bauprojekte der ersten Umsetzungsphase sollen auf der Ebene der Architektur, des Städtebaus und der Nachhaltigkeit einen innovativen und wegweisenden Beitrag liefern und so einen positiven Start der Entwicklung des Stadtquartiers Nordwestbahnhofgewährleisten.

Kategorie: Tagesaktuelles

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