The Gores Group Headquarters

1. Dezember 2016 Mehr

Ein langer Weg zum guten Ende.
Bürogebäude / Beverly Hills / Belzberg Architects

Die Anforderungen für das 12.500 m2 große Gores Group Headquarter waren insgesamt keine alltägliche Aufgabe. Es ging um die Renovierung eines dreigeschossigen, aus den 60er Jahren stammenden Bürogebäudes und der angrenzenden Parkmöglichkeit in Beverly Hills/Kalifornien. An und für sich ist es nichts Ungewöhnliches, da aufgrund der ökonomischen Krisen immer mehr Kunden und damit auch die Architekten sich dazu entschließen, statt eines Abbruchs einer gebrauchten Immobilie, deren Neuausrichtung anzugehen. Es ist eine immer weiter verbreitete Praxis, alte Büro- und Industriearchitekturen, die oft auch devastiert sind, durch ein Upgrade der Fassade und des Innenlebens zu einem neuen, funktionell an die Anforderungen der Zeit angepassten Nutzbau zu machen.

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Der Bau umfasst eine Stahlgerüstkonstruktion, Stahlbetondecken, Wandscheiben, Träger etc. – All das sollte für weitere 50 Jahre benutzt werden können. Das Büro der Belzberg Architects sah in dem Auftrag die Möglichkeit, durch das Hinterfragen der Möglichkeiten einer typischen Standard-Glasfassade, zusammen mit ein oder zwei Eingriffen, das Profil der Architektur völlig zu verändern. Ebenso sollte das Upgrade die Art und Weise, in der sich die Mitarbeiter untereinander und mit der Umgebung auseinandersetzten, verändern und erneuern. Man beabsichtigte, eine „scheinbar kinetische Fassade“ zu gestalten. Damit blieb die Grundstruktur zunächst einmal unangetastet. Stattdessen begannen die Architekten, die Möglichkeiten des Glases für die äußere Hülle zu untersuchen. In enger Zusammenarbeit mit verschiedenen Herstellern versuchte man, das Design zu verbessern, aufbauend auf der bisherigen Struktur, Konstruktion und Design. Auf der Suche nach einer Lösung für die architektonischen Herausforderungen kam man zuerst auf eine Standard-Vorhangfassade. Sie sollte die Grundanforderungen sowie die Wasser- und Wetterdichtheit erfüllen, Naturlicht ins Gebäude bringen etc. Am Anfang stellte man sich vor, mit einem einfachen Gitter visuelle Aufmerksamkeit und auch Lärmschutz zu erzielen. Schnell fanden die Designer dann heraus, dass der Wunsch nach einer gewissen Ästhetik eine komplexere Lösung erforderte.

 

Man begann mit standardisierten 120 x 240 cm Gläsern zu experimentieren, um die Durchsicht zu maximieren und auch die Geschossdecken zu verbergen. Das trug zumindest zu einer Kostenreduktion bei. Also begann man Borsilikate zu testen, verschiedene Designs und Produktionsprozesse auszuprobieren. Auch Montagetechniken wurden in Zusammenarbeit mit Rayotek – einer Firma, die auf Ingenieurdesign und Präzisionsgläser spezialisiert ist – ausprobiert. Nachdem die Planer sich langsam mit den Eigenschaften, Parametern und Möglichkeiten des Glases vertraut gemacht hatten, nahm man California Glass Bending (CGB) und Pulp Studios, einen Spezialisten für gebogenes, laminiertes Glas mit an Bord. Nach zahlreichen Versuchen entwickelte man ein neues Profilglaspaneel in der standardisierten Größe von ca. 120 x 240 cm. So können die Paneele auch um 90 Grad gedreht verwendet werden. Jedes Feld enthält zwei Profilgläser mit einer gedruckten PVB-Zwischenlage1), welche druckdicht verschweißt ist. Das auf der Folie gedruckte Muster bietet die notwendige Bruchsicherheit und betont das Design der Glasscheibe, filtert die Einblicke von außen, schafft so Privatheit für die Innenräume und bringt vor allem Naturlicht ins Innere. Die Dicke der Paneele reduziert den Straßenlärm und die Emissionen des Verkehrs. Die Außenansicht der Glasfassade ändert sich stark im Verlauf des Tages wegen der Krümmung der Scheiben. Das verleiht der Ansicht einen einzigartigen, dynamischen und eben fast kinetisch wirkenden Charakter.

 

Zusätzlich zu Material- und Montageproben benutzten die Architekten auch verschiedenste Computerprogramme, um die Glasflächen zu verfeinern und zu bestimmen. Im Programm Maya war es möglich, ein 2D-Muster aus dem in 3D geformten Glas zu extrahieren. Rhino und Grasshopper benutzte man, um die subtilen Schwankungen und Wellenbewegungen in den horizontalen Fassadenbändern zu definieren. Schlussendlich benutzte man Illustrator um die in Maya/Rhino/Grasshopper generierten Muster in Abstufungen für druckfähige Muster vorzubereiten. Mit diesen Werkzeugen/Programmen und der Technik des Profilieren des Glases ergab sich eine Serie von zwölf einzigartigen Paneeldesigns, welche in einer sich nicht wiederholenden Anordnung in der Fassade angebracht sind. Ein genauer Verlegeplan für die Monteure sicherte dieses Kriterium. Das manchmal spinnennetzartige Muster der Glasfassade wiederholt sich in einer abstrahierten Form in den Elementen des gebogenen Daches, welches wie eine Spange aus perforierten Metallpaneelen über dem Gebäude schwebt. Zusätzlich hat die große, neu geschaffene Dachterrasse mit Garten einen positiven Effekt auf die Kultur und das Befinden der Nutzer dieser Architektur.

Existierende Trennwände und die Funktionen des Hauses machten es notwendig, in der Fassadengestaltung von Glas zu einem anderen Material – Stein – zu wechseln. Man verwendete für die Gestaltung dieser Teile dasselbe Design wie beim Profilglas. Der Stein wurde dreidimensional behandelt und mit einem ähnlichen Profil wie das Glas versehen. Dort, wo der Stein in eine dünne Verkleidung übergeht, ist das Muster abstrahiert in eine Grafik. So verwischen sich optisch die Materialgrenzen und -unterschiede.

 

Im Inneren ist ein neues Atrium im Zentrum der Architektur herausgeschält worden und trägt drastisch zu einer Verbesserung der Beleuchtung und Durchlüftung der verschiedenen Ebenen bei. Der Bau hat nun ein generöses Stiegenhaus, welches die Mitarbeiter zu spontaner Kommunikation anregt. Auch hier kommt das feine Design der gitterähnlichen Folien aus den Glaspaneelen wieder zum Einsatz, und zwar in den Stiegengeländern. Sie sind aus zarten, parallel laufenden Holzstäben gefertigt.

 

The Gores Group Headquarters
Beverly Hills, Kalifornien
Bauherr: The Gores Group
Planung: Belzberg Architects
Mitarbeiter: Hagy Belzberg, Cory Taylor, Kristofer Leese, Ashley Coon, Elizabeth Lorenz
Grundstücksfläche: 2.322 m2
Nutzfläche: 11.380 m2
Planungsbeginn: 12/2010
Bauzeit: 30 Monate
Fertigstellung: 06/2014

 

Fotos: ©BruceDamonte, Benny Chan

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Kategorie: News, Projekte

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