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44 architektur FACHMAGAZIN 3D-Druck Leben mit 3D-Druck Zuerst eroberte der 3D-Druck langsam aber stetig die Architektur-Modellbau-Szene. Der Maßstab der Produkte wurde in letzter Zeit immer größer und nun druckt man bereits ganze Häuser im 3D-Verfahren. Der Wettlauf um das erste 3D gedruckte, bewohnbare Haus hat schon längst begonnen. In London, Amsterdam und China befassen sich bereits Teams von Architekten mit der Konstruktion derartiger Volumina. Dabei werden durchaus unterschiedliche Materialien und Techniken in der Fabrikation angewandt. All diesen Projekten schlägt natürlich auch einige Skepsis entgegen: Wurden doch 3D-Drucker bisher eher für kleine Modelle und Ersatzteile verwendet. Kann man eine Technologie, die noch in den Anfängen steckt, einfach aufblasen und Häuser damit produzieren? Offensichtlich ja! Einer der Pioniere bezüglich großformatiger 3D-Druck-Technologie ist Enrico Dini. Er hat ein spezielles Verfahren entwickelt, mit dem er auf einer Fläche von 30 m2 mit einer Aufbaugeschwindigkeit von 5 cm/ Stunde Architekturen herstellen kann. Dazu verwendet er Chemikalien, die mit dünnen Sandschichten verbunden, mit einer weiteren Chemikalie - die der Drucker aus seiner Düse versprüht - gehärtet werden. Ähnlich dem Verfahren des Solarprinters, der allerdings reinen Wüstensand und gebündeltes Sonnenlicht verwendet (architektur berichtete darüber) und damit ungeahnte Möglichkeiten in der Architektur eröffnet. 1 Am Beginn dieses Artikels steht das Projekt einer im Drucker hergestellten Möbiusschleife, erdacht von dem holländischen Studio Universe Architecture. Sehr ambitioniert, weil die Möbiusschleife eine nicht ganz leicht vorstellbare, räumliche Form ist. Innen geht in außen über, Wände verschmelzen mit der Decke und Fußböden mit dem Dach – ein Raumkontinuum mit endlosen Möglichkeiten der Nutzbarkeit. Vielleicht auch deshalb kein so schlechtes Beispiel. Die Architektur wird in 6 - 10 Meter großen Teilen am Boden gedruckt und dann zusammengesetzt und verklebt. Fiberglas und Stahlbetonteile werden nachträglich – um die Stabilität zu erhöhen – hinzugefügt. Die Arbeit soll 2014 fertiggestellt werden, fünf bis sechs Mio. Dollar kosten und das größte, 3D gedruckte Projekt weltweit sein. 2 DUS Architects aus Amsterdam planen ein traditionelles Grachtenhaus an einem der Kanäle der Stadt komplett aus dem 3D-Drucker herzustellen. Die Dimensionen des Druckers selbst sind gewaltig – 3,5 m hoch und vergleichbar mit einem Schiffscontainer druckt der KamerMaker- XL praktisch ganze Zimmer aus, die dann zu einem Haus zusammengefügt werden. Hierbei wird ein Zimmerelement komplett gedruckt - also inklusive Innen- und Außenverkleidung, Verkabelung, Verrohrung für Heizung, etc. Als Material wird ein Plastik verwendet, das zu 80 % aus biologischen Komponenten besteht und von der Firma Henkel zur Verfügung gestellt wird. Text: Peter Reischer © Universe Architecture © DUS Architects 1 2


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