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architektur FACHMAGAZIN 72 Energieeffizienz Das gesamte Gebäude wurde in zwölf Wochen entworfen, produziert und aufgestellt. Fast alle Teile sind wiederverwertbar und der ökologische Input wurde minimiert. Modscape verwendet aus Umweltgründen ausschließlich Materialien, die entweder recycelt oder wiederverwendet sind, oder aus nachhaltigen Ressourcen stammen. Im Northcote-Haus wurden nur Hölzer aus nachhaltigem Anbau für die Außenverkleidung und die Fußböden verwendet, teilweise wiederverwendete Pflastersteine für die Wände; Stahl wird für das Dach und die konstruktiven Elemente verwendet, als Material ist es – ebenso wie Aluminium – zu fast 100% wiederverwertbar. Jedes architektonische Produkt wird bei Modscape genau geplant: Es werden nur exakt die Mengen an Material bestellt, die auch wirklich gebraucht werden. Überschüsse oder Abschnitte werden gesammelt, für das nächste Projekt weiterverwendet oder - wie zum Beispiel, die Isolierpaneele - an die Industrie für Möbelproduktionen weitergeliefert. Da Modscape an nur einem einzigen Standort produziert, ist der Abfall vergleichsweise gering. 80 % des Abfalls wurden wiederverwendet. So passte alles Restmaterial des Northcote-Hauses in einen 4 m3 Abfallcontainer. Materialien, wie die modularen Stahlrahmen, die Aluminiumpaneele der Verkleidung, Holzelemente und Isolierpaneele wurden genau auf Maß geschnitten zur Montage in die Fabrik geliefert. Großes Augenmerk legte man auf die Verkürzung und Minimierung jeglicher Transportwege, um unnötigen CO2-Ausstoß zu vermeiden. Die Bestandteile für die Konstruktion stammen alle aus nachhaltigem Anbau und von lokalen Produzenten. Die Fundierung erfolgte mittels Stahlpfählen – so werden keine Erdbewegungen nötig, es entsteht kein Aushub und die Umweltbeeinträchtigungen verringern sich. Auch können die Stahlpiloten nach Ende der Lebenszeit des Hauses wiederverwendet werden. Die Pfähle und die konstruktiven Stahlrahmen, die in Kontakt mit dem Boden kommen, gewährleisten auch, dass man auf chemische Schutzmaßnahmen gegen Termiten und andere Schädlinge verzichten kann. Das Gebäude wurde komplett in der Fabrik gefertigt, dadurch beschränkte sich die Lärmbelästigung für die Nachbarn. Während der dreimonatigen Vorbereitungszeit war die einzige Arbeit vor Ort der Abbruch des alten Hauses. Das Setzen der Pfeiler dauerte einen, der Aufbau des Hauses einen weiteren Tag, danach waren nur noch minimale Fertigstellungs- und Feinarbeiten notwendig. Im Haus selbst sind nur niedrigallergene und nichtgiftige Farben, Leime, Oberflächenbehandlungen etc. verwendet – alles ist unter dem Schwellwert für VOC (Volatile Organic Compound) und auch formaldehydarm. Daher können alle Teile nach Ende ihres Lebenszyklus vollständig recycelt werden. Und natürlich gibt es am Dach eine solarbetriebene Warmwassereinheit, LED-Beleuchtung, Wiederverwendung von Grauwasser für die Toilettenspülung und Regenwassersammlung für die Gartenbewässerung. Die gesamte Performance der umweltbezogenen Nachhaltigkeit führt trotz aller Annehmlichkeiten für die Bewohner (thermaler Komfort, Wassereffizienz, Energieeffizienz, Ressourceneffizienz) zu einem Quadratmeterpreis von ca. 1.722 Euro inklusive Entwurfskosten, Produktion, Transport und Aufbau des Hauses vor Ort. (rp)


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