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61 www.architektur-online.com Tiago do Vale Architects Die Stiege fungiert als Raumteilung – so haben sich die Architekten der üblichen Manie der Wände und Abteilungen verweigert. Das Projektziel war, wieder Klarheit in die Räume und Funktionen des Hauses zu bringen, ihm sein ehemaliges Aussehen wieder zu geben, Wohn- und Arbeitsmöglichkeit zu schaffen und es gleichzeitig fit für die heutigen Ansprüche des Lebens zu machen. Es sollte so auch eine Anregung für weitere Projekte in der Nachbarschaft entstehen. Also wurde die Fassade restauriert und wieder in ihren alten Glanz gebracht, die dekorative Giebelverkleidung wieder hergestellt, die originalen hölzernen Fensterrahmen erneuert. So stört heute nicht einmal das elektrische Kabel, welches mit südländischer Nonchalance über die Fassade des frisch restaurierten Gebäudes hängt. Die Innenräume bekamen wieder ihre räumliche und funktionale Aufteilung, Holzböden und -decken und die Originalstiege. In den Nassräumen und im Erdgeschoss verlegte man Estremoz-Marmor aus Portugal. Das neue Raumprogramm beinhaltet einen Arbeitsbereich und Wohnmöglichkeiten. Dadurch, dass der Innenhof um 1,5 Meter höher als die Straßenebene liegt, konnte man den Arbeitsbereich zur Straße hin nach Westen orientieren und auch mit der Öffentlichkeit in Beziehung setzen. Diese Seite wird von der Nachmittagssonne beleuchtet. Die Wohnfunktionen richten sich zum Innenhof und der Morgensonne hin. Im Hof sind einige Orangenbäume gepflanzt – sie geben in den Sommermonaten ein interessantes Schattenspiel ab und in der Winterzeit bieten sie ein hübsches Display, bedeckt mit leuchtenden Früchten. Aufgrund der limitierten Grundfläche behielt man die ursprüngliche Strategie einer nach oben hin abnehmenden, hierarchischen Anordnung von Räumen und Funktionen bei. Die Stiege wird nach jedem Treppenlauf enger, entsprechend der Natur der Zonen, welche sie verbindet. Das Stiegenhaus filtert auch sehr effizient die visuellen Beziehungen zwischen den Arbeits- und Wohnfunktionen, gleichzeitig erlaubt es durch ein im Dach angebrachtes Oberlicht, dass natürliches Licht von den oberen Ebenen in die Tiefe dringt. u


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