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69 www.architektur-online.com CORREIA/RAGAZZI ARQUITECTOS Die CORREIA/RAGAZZI ARQUITECTOS haben in Melgaço in Portugal ein halb verfallenes Anwesen einer Weinbauernfamilie wieder zu neuem Leben erweckt. Mit durchaus kontrastierenden Materialien schufen sie ein Ensemble, das sowohl einen Weinkeller wie auch eine Weinverkostung und Wohnmöglichkeiten bietet und die Natur schont. Im Wein, im Weinbau und der Verkostung, bzw. dem Genuss von vergorenen Trauben liegen schon einmal ein paar Jahrtausende Tradition und Kulturgeschichte. Schon 5000 Jahre vor unserer Zeitrechnung lässt sich im Südkaukasus, im heutigen Georgien, sowie in der vorderasiatischen Landschaft Sumer (heute südlicher Irak) erstmals der Anbau von Weinreben durch Menschenhand nachweisen. Das Produkt der Rebe, der Wein, wurde als Getränk der Götter angesehen. Der griechische Gott Dionysos, beziehungsweise sein römisches Pendant Bacchus, ware in der Mythologie dem Wein gewidmet. Es ist also nicht verwunderlich, wenn in Weinkellern, Gewölben und damit zusammenhängenden Architekturen immer auch ein gutes Stück Zeit sichtbar wird. Steinmauern, unverputzte Ziegelwände, Lehm – all das verbindet man in der Vorstellung mit der Kultur und dem Geist des Weines. Aber es geht auch anders, wie das Beispiel der CORREIA/ RAGAZZI ARQUITECTOS in Melgaço, der nördlichsten Region Portugals zeigt: Ein Grundstück mit einer Komposition aus Häusern und Ruinen, kultiviertem Land und einem Pinienwald – das war der Besitz der Auftraggeber. Diese beabsichtigten das Gebäude zu retten und zu vergrößern, um einen landwirtschaftlich/ ländlich angehauchten Tourismusbetrieb mit Wohnmöglichkeit zu entwickeln. Und da die Auftraggeber Weinbauern waren, sollten auch ein Weinkeller und eine Weinverkostung dazukommen. Die zu errichtende Erweiterung sollte sich in einem neuen Gebäude manifestieren. Sie steht im Dialog und in Beziehung zu der schon existierenden, vor Ort befindlichen Steinmauer. Mit einem Wort, ein Neu- oder Zubau in der Tradition und im Kontext des Ortes. u


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