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53 www.architektur-online.com querkraft architekten zt gmbh Wenn sich ein dem Mäzenatentum verpflichteter Kunstsammler und ein gutes Architekturbüro treffen, dann kann schon einiges passieren. So geschehen beim Bau des Museum Liaunig in Kärnten. Nur dass dort gar nicht so viel Sichtbares, sondern eher Unterirdisches passierte. Die wirkmächtigen Fotos dieser Architektur, die wie ein 160 Meter langer Stab einen Hügel durchschneidet und an den Enden 30 Meter herausragt, sind bekannt. Die Architektur des vielleicht schönsten österreichischen Museums, ist in einem Bundesland, das großflächig von hässlicher Hotel- und Appartementarchitektur geprägt ist – durchaus beachtlich. Aus Kostengründen und zur Optimierung des Energiekonzepts liegen 95 % der 2008 geschaffenen Kubatur unterhalb der Erde – der Erdaushub wurde auf dem Grundstück verteilt. Man betritt das Museum über das großzügige Schaudepot, den „Weinkeller der Kunst“ und erreicht die helle Haupthalle an zentraler Stelle. Sie liegt – als trogartiger, großteils unterirdischer Stahlbetonriegel mit 160 Meter Länge, 13 Meter Breite und 7 Meter Höhe hergestellt – quer zur Eingangshalle. Die Aussteifung gegen den Erddruck wird von besonders schlanken Betonträgern mit Trapezquerschnitt übernommen. Diese dienen auch als Medienträger für die Inszenierung der Kunst. An den beiden Enden steht der Riegel über die Kanten des Hügelgrundstücks über, wobei sich an der dem Ort zugewandten Seite, die erwähnte 30 Meter spannende Auskragung – ohne jede Veränderung des Grundtrogquerschnitts – ergibt. Als Gegenpol zur kontemplativen Kunstbetrachtung finden die Besucher im Inneren dramaturgische Höhepunkte durch die intensive Fokussierung auf die außenliegende Landschaft – niemals entsteht der Eindruck, sich unter der Erde zu befinden. Das aus bisher vier markanten Baukörpern bestehende Museum des Kunstsammlers Herbert Liaunig, welches über eine der umfangreichsten Sammlungen österreichischer Kunst seit 1945 verfügt, wurde nun um einige weitere unterirdische Zubauten ergänzt. Der Entwurf stammt auch diesmal von den querkraft architekten. u


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