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130 architektur FACHMAGAZIN edv Baumängel-Management: Rügen nach Programm Die Verfolgung von Ausführungs- und Gewährleistungsmängeln ist zeitaufwendig und mühsam. Mängel müssen dokumentiert, Termine und Fristen überwacht und Folgegewerke koordiniert werden. Baumängelmanagement-Software hilft, den Aufwand zu minimieren. Text: Marian Behaneck Untersuchungen zufolge weisen Wohngebäude nach der Fertigstellung im Schnitt 10 bis 20 Baumängel mit einem potenziellen Schaden in Höhe von 10.000 bis 25.000 Euro pro Wohneinheit auf. Als Folge von Mängeln, Mängelschäden oder Mängelfolgeschäden entstehen im gesamten Hochbaubereich jährliche Zusatzkosten von mehreren Milliarden Euro – Tendenz steigend. Baumängel zu erfassen und zu verfolgen ist somit eine wichtige, aber auch lästige, weil aufwendige Pflicht von mit der Bauleitung betrauten Planern. Wer statt Bleistift und Papier ein Smartphone oder Tablet mit Baumängel-Management-Software einsetzt, kann seinen Zeit- und Organisationsaufwand erheblich reduzieren – so versprechen es die Anbieter. Wann liegen Baumängel vor? Bauherren oder Käufer eines Neubaus haben Anspruch auf eine mängelfreie Bauleistung. Völlig mängelfreie Gebäude entsprechen jedoch nicht der Realität, weshalb in der Praxis die Minimierung von Baumängeln angestrebt wird. Weist ein Bauwerk dagegen eine Vielzahl von Mängeln auf, stellt sich schnell die Frage, ob auch die Bauüberwachung mangelhaft war und ob deshalb den damit beauftragten Planer ein Mitverschulden trifft. Deshalb ist das Führen eines Bautagebuchs für Planer auch aus Eigeninteresse Pflicht, denn es erfasst und dokumentiert mit den baulichen Aktivitäten auch Baumängel. Ein Baumangel liegt vor, wenn beispielsweise eine in Leistungsbeschreibungen vereinbarte Eigenschaft oder Beschaffenheit nicht eingehalten wurde oder gegen allgemein anerkannte Regeln der Technik verstoßen wurde. Festgelegt sind letztere unter anderem in diversen Werkvertrags- und Ausführungsnormen (z. B. ÖNORM B 2110, ÖNORM B 5320 etc.), gesetzlichen oder behördlichen Bestimmungen und so weiter. Gemäß Allgemeinem Bürgerlichen Gesetzbuch (ABGB) ist Der Aufwand für die Erfassung und Verwaltung von Baumängeln kann durch den Einsatz mobiler Soft- und Hardware reduziert werden. © DRS DefectRadar eine Bauleistung mangelhaft, wenn Wert oder Tauglichkeit zum gewöhnlichen oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Gebrauch aufgehoben oder gemindert wird. Da Eigenschaften oder Beschaffenheiten von Bauobjekten praktisch nie lückenlos in Verträgen, Plänen, Bau- oder Leistungsbeschreibungen etc. definiert sind, kommt es in der Praxis immer wieder zu Unstimmigkeiten, die häufig in juristischen Auseinandersetzungen enden. Baumängel-Erfassung einst… und jetzt Die herkömmliche Erfassung und Verwaltung von Ausführungs- und Gewährleistungsmängeln ist zeit- und arbeitsaufwendig: Mängel werden auf der Baustelle schriftlich notiert, anhand von Fotos dokumentiert und diese dann den Mängelberichten zugeordnet. Mängelrügen werden mit Office-Programmen geschrieben, Fristen gesetzt und per Post verschickt. Kopien werden in Ordnern abgelegt und auf Wiedervorlage gelegt, um sie fristgerecht bearbeiten zu können. Das führt häufig zu Verzögerungen und Mehraufwand, was letztlich die Wirtschaftlichkeit von Projekten beeinträchtigt. Hinzu kommen Fehlerquellen: Die auf der Baustelle erstellten Papier- oder Sprachaufzeichnungen werden unter Umständen Tage später im Büro digital erfasst, den Projekten und Gewerken zugeordnet. Diese Doppelerfassung von Daten generiert nicht nur Mehrarbeit, sondern auch Fehler. Mit mobiler Baumängel-Managementsoftware lassen sich diese Medienbrüche vermeiden und Arbeitsabläufe optimieren. Außerdem entfällt das umständliche Hantieren mit Notizblock, Plan, Diktiergerät und Fotoapparat. Stattdessen werden mit Smartphones oder Tablet-PCs und entsprechender Software Mängel direkt vor Ort in Wort und


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