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53 www.architektur-online.com architekturszene 19. Jahrhundert einen gewissen Charme. Die historischen Bauwerke befinden sich nämlich inmitten einer idyllischen Grünfläche und sind unweit des Flusses Glatt gelegen. Dieses Potenzial machten sich die zuständigen Architekten von Schneider Studer zunutze. Mit den drei Gebäudetypen – Scheibe, Block und Halle – sowie strategisch platzierten Glaswänden gelang es den Planern, den Außenlärm abzuschirmen und soziale Dichte in das Siedlungsgefüge zu bringen. Zudem umschließen die Bauwerke das Areal so, dass den Bewohnern ein kompakter Außenraum mit zahlreichen Grünflächen zur Verfügung steht. In Zukunft werden die ehemaligen Fabrikgebäude neben Wohnungen auch Nahversorgungs und Dienstleistungseinrichtungen beinhalten. Auf diese Weise soll auf dem Areal eine sogenannte „Nutzungsmischung“ stattfinden. Dieser Begriff bezeichnet das Vorhandensein der drei Grundfunktionen Arbeiten, Wohnen und Freizeit in einem Ortsteil. Jener Nutzungsmix stellt seit den 1980er-Jahren eines der wichtigsten Ziele der Stadt- und Regionalplanung dar. Denn nur dann, wenn ein Wohngebiet gleichzeitig ein ausreichendes Arbeits- und Unterhaltungsangebot zur Verfügung stellt, gewinnt dieses als Standort an Identität und kann sich so zu einem attraktiven Stadtteil entwickeln. Des Weiteren sorgt die Nutzungsmischung dafür, dass sich Freizeiteinrichtungen sowie Nahversorger in fußläufiger Distanz zu den umgebenden Wohneinheiten befinden. Bewohner des betreffenden Stadtteils können so leichter auf ihren PKW verzichten, wodurch das Verkehrsaufkommen nachhaltig eingedämmt wird. Ein lebendiger Stadtteil nach den Vorstellungen der Bewohner Heute ist „Zwicky Süd“ auf dem besten Weg, um zu einem florierenden Stadtteil heranzuwachsen. Verantwortlich für diese Entwicklung ist neben der erwähnten Nutzungsmischung nicht zuletzt das „lebendige Parterre“. Die Erdgeschosszonen für eine unternehmerische Nutzung frei zu halten war dabei stets ein zwingender Teil der Konzeptidee. Mithilfe von Gewerbebetrieben soll im neuen Ortsgebiet nämlich für ein öffentliches Leben gesorgt werden. Durch den öffentlichen Verkehr ist das Zwicky Areal mittlerweile bestens erschlossen. In weniger als einer Viertelstunde erreichen die Bewohner der Gegend mit S- und Glattbahn das nächstgelegene Stadtteilzentrum und den Flughafen. Dadurch liefert die Wohnsiedlung ideale Voraussetzungen, um den Mietern in dieser Gegend eine Alltagsgestaltung ohne PKW zu ermöglichen. Auch in puncto Bürgerbeteiligung weiß „Zwicky Süd“ zu überzeugen. Um das Areal in Zukunft verstärkt nach den Bedürfnissen der Einwohner weiterentwickeln zu können, dürfen sich diese aktiv am fortschreitenden Planungsprozess beteiligen. Ihre Ideen können die Mieter bei Konferenzen gemeinsam mit den Fachkräften erarbeiten, konkretisieren und einbringen. Indem es zu einem Austausch der Erfahrungen von Einwohnern und Planern kommt, lassen sich etwaige Mängel überarbeiten, was eine stetige Anpassung und Verbesserung der Lebensbedingungen zur Folge hat. Bewusst fällt deshalb auch das Design des Wohnbaus und des Außenraums minimalistisch aus. Die Mieter selbst sollen sich der Gestaltung des Areals widmen und dieses nach ihren Vorstellungen begrünen. Das fortschrittliche Konzept fand in der Schweiz bereits positive Anerkennung - 2016 wurde die Siedlung „Zwicky Süd“ von der Stiftung „Gute Bauten Kanton Zürich“ ausgezeichnet.


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