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54 architektur FACHMAGAZIN Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit in der Architektur Das Heftthema Energie ist vielschichtig. Begriffe wie Effizienz, Nachhaltigkeit, Effektivität spielen hier eine große Rolle. Die meisten Menschen verstehen unter Nachhaltigkeit eine Verlängerung der Lebensdauer, der Qualität, der Effektivität. Also einfach ein MEHR aus etwas herauszuholen. Doch leider ist das Ergebnis dieser Anstrengungen oft nur eine Maximierung des Profits, der Ausbeute, der Nutzung. Das Wort hat einen ähnlich schalen Beigeschmack bekommen, wie seinerzeit die Bezeichnung „green“. Derart etikettiert wurde jedes Produkt leichter verkäuflich und notabene auch teurer. Vielleicht auch deshalb haben Industrie und Wirtschaft dann „blue“ kreiert – so wurde der Absatzmarkt wieder vergrößert. Viele wollen heute die Bezeichnung „nachhaltig“ überhaupt nicht mehr hören, verwenden deshalb einfach den Anglizismus „sustainable“. Klingt besser, ist aber dasselbe. Das Grundproblem bei der Degradierung von an und für sich positiven Begriffen liegt in deren Werthaltigkeit. Wir neigen dazu, etwas „Gebrauchtes“ als weniger (manchmal nicht zu unrecht) wertvoll anzusehen. Was wäre aber, wenn wir statt nach immer Neuem (Ungebrauchtem) zu trachten, lernen das Neue im Alten zu erkennen? Die folgenden Beispiele sollen eine kleine Anregung sein, was alles möglich ist. Wie man eine alte Architektur erhalten und Sinn bringend aufwerten kann. Denn nicht immer ist der Baggerzahn die beste Lösung. So gesehen ist das Entdecken von neuen Möglichkeiten in alter Architektur ein Mehrwert, der aber oft mit einer Reduktion einhergeht. Das kann auch Nachhaltigkeit sein! Lernen von der Natur Man nehme zum Beispiel ein „Abfallprodukt“ der Landwirtschaft, das fast kostenlos und ohne lange Transportwege zu haben ist: das Stroh. Nicht nur ein im Projektteil dieses Magazins beschriebenes Strohhaus in Griechenland (noch nicht gebaut), sondern auch ein Beispiel aus Österreich ist ausgesprochen nachhaltig und innovativ. Architekt Georg Bechter hat für einen privaten Kunden in Vorarlberg ein Strohhaus entworfen (für den Bauherrenpreis 2016 nominiert). Eigentlich sollte es eher ein experimenteller Ansatz sein, doch dann ist ein voll funktionsfähiges Einfamilienhaus daraus geworden. Aus 120 cm dicken Wänden aus Strohballen errichtet, außen mit Kalk und innen mit Lehm verputzt, braucht es © Adolf Bereuter


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