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architektur FACHMAGAZIN 62 Energie An manchen Betonteilen hat zwar schon der Zahn der Zeit genagt, aber sie halten sicher noch weitere hundert Jahre. In den Innenräumen wird man immer wieder von Designexperimenten überrascht. Man sieht in letzter Zeit häufig die Bilder von den Bauten des sogenannten Betonbrutalismus der 30er bis 60er Jahre in den Medien. Dabei wird immer der (oft abenteuerliche) Reiz dieser Architekturen betont und gezeigt. Speziell in der Zeit des Kommunismus und Sozialismus wurden im Osten Europas sehenswerte, schon als Skulpturen zu bezeichnende Betonbauten (Stadien, Monumente, Hotels etc.) geschaffen. Im Westen war dieser Stil eher im sozialen Wohnbau und im Industriebau zu finden. Auch Paris, und hier vor allem die berüchtigten Banlieues, sind nicht arm an Beispielen dieser oft bizarren Architekturen. Am Canal de l’Ourcq in Pantin, wo sich das Umland mit der Stadt vermischt, steht ein 20.000 m2 großes, ehemaliges Getreide- und Mehllager – ein Musterbeispiel für Stahlbetonbau. Es ist eine Gegend mit gerade aufkeimenden kulturellen Aktivitäten, ein Bestandteil der Entwicklungszone des sogenannten „Greater Paris“, ein Ansiedlungsgebiet für kreatives Wachstum, Produktion und Innovation. Der verwahrloste Industriebau war in den letzten Jahren eines der Lieblingsziele von Graffitikünstlern und das Gebäude war bereits fast völlig übersprüht. Bis es von BETC, einer der führenden Marketingagenturen Europas gekauft wurde. Als neuer Besitzer dieser Immobilie beauftragten sie die Jung Architectures mit der Neuausrichtung und architektonischen Erneuerung dieses, „Les Magasins généraux“ genannten Komplexes als gemeinschaftsorientierten Treffpunkt für kulturelle Experimente. Frédéric Jung hatte bereits einen gewissen Ruf bei der Transformation historischer Gebäude in funktionelle, schöne Orte mit einem zeitgemäßen kommerziellen Inhalt oder für Wohn- und Kulturnutzungen. Er fokussierte sich nun bei diesem Projekt darauf, die Wünsche der zukünftigen Benutzer und Bewohner mit den ursprünglichen Konstruktionselementen der Architektur in Einklang zu bringen und das Bauwerk als eine Landmark am Canal de l’Ourcq zu erhalten. Heute bietet es Platz für die 900 Mitarbeiter von BETC und noch 5.000 m2 freien Raum für kreative Projekte.


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