Page 34

architektur 117_eMag

34 architektur FACHMAGAZIN Architektur und Zeit Architektur und Zeit Nicht nur die ökonomischen Krisen der letzten Zeit zwingen uns, den Gürtel enger zu schnallen. Einfach abreißen und neu bauen – das geht eigentlich nicht mehr. Viele überlegen beim Bauen, eine Verwendung oder neue Nutzung für bereits Bestehendes zu finden oder mit wenig Aufwand Neues entstehen zu lassen. Neben finanziellen Zwängen sind es aber auch vermehrt Aspekte einer sogenannten „architektonischen Ethik“ oder einfach Nachhaltigkeitsgedanken, die bei der Schaffung von neuer Architektur in den Vordergrund rücken. „Geht´s nicht ein bisschen einfacher, weniger technoid und mehr kontextgebunden?“, fragen sich immer mehr Architekturschaffende. Der Slogan des deutschen Beitrags für die Architekturbiennale Venedig 2014 – Reduce, Reuse, Recycle – und zwar in genau dieser Reihenfolge, hat sich zu einem Mantra in gewissen Kreisen der Szene gemausert. Es lohnt sich, diese Entwicklung genauer zu betrachten, bzw. sie in einen zeitlich größeren Zusammenhang zu stellen und zu untersuchen. Vor nicht allzu langer Zeit (auf die ca. 10.000 jährige Geschichte der Baukunst bezogen) war Bauen ein Bereich, der den Ansprüchen des Wohnens, der Repräsentation, der Kunst und der Kirche vorbehalten war. Diese Bauten standen (fast) immer in einem Kontext gesellschaftlicher, ökologischer, religiöser und ortsgebundener Art. Zuschreibungen wie „schön“ oder „hässlich“ waren für diese Architekturen obsolet, wurden auch kaum getätigt. Als eine Begründung dafür könnte man könnte man im Sinne von I. Kants kategorischen Text: Peter Reischer © Thomas Diesenreiter


architektur 117_eMag
To see the actual publication please follow the link above