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115 www.architektur-online.com shopstyle Auf dem Meeresgrund Ein schönes Beispiel des ‚storytelling‘ ist der neue ‚Seafoodshop‘, den der Designer Jean de Lessard in Quebec entworfen hat. Er ließ sich bei den Entwurfsgedanken von Jules Verne und dessen Reise unter dem Meeresspiegel inspirieren. Das Konzept der gesamten Inneneinrichtung ist von der Imagination von fraktalen Kristallstrukturen, die durch das schräge Auftreffen der Sonnenstrahlen auf die Wellen der Wasseroberfläche entstehen, geleitet. Von der skulpturalen Decke mit den vielfarbigen Lichtelementen bis zu den Kühlboxen und Präsentationsflächen für Fisch, Muscheln und ähnlichem Meeresgetier – alles hat einen kristallinen Touch. Die Kunden haben die Möglichkeit des sogenannten ‘promenade-shopping’, sie defilieren an den verschiedensten Stationen vorbei, auf einer Zeitlinie zwischen heute und morgen, alles ein bisschen verrückt aber lustig. Das Konzept beruht darauf, den Produkten beim Entdecken derselben einen zusätzlichen Wert zu geben, durch eine Reise der Sinne um die verschiedenen Displays herum. Es bedeutet eine Interaktion zwischen Verkäufer und Klient durch ein gemeinsames Erleben und Experimentieren, auch in einem kleinen Raum. Die stylischen Kühlsysteme, bedeckt von Glaskristallen, sind Sonderanfertigungen in der Art von Juwelenvitrinen. Sie bestehen aus Corian®, einem sehr resistenten Material, das auch den niedrigen VOC-Emissionsrichtlinien der kanadischen Regierung entspricht. Es bedeutete allerdings eine Arbeit von Monaten, um die Spezialisten für Corian®, Fischkühlung, IT-Management und Glasproduktion zusammenzubringen. Auch die weiß-grauen keramischen Fliesen am Boden stellen eine Referenz an Jules Verne dar – die Hartholzdielen an Deck des sagenhaften U-Bootes Nautilus. © Santi Caleca © Santi Caleca Nüchternes Understatement Eine Uhr, entworfen vom John Morgan Studio, ziert die Fassade des neuen Valentino Flagship Store in New York. Sie ist ein sichtbares Zeichen einer Öffentlichkeit und auch des Understatements. Ein ganz schlichtes Design, wie eine Bahnhofsuhr – schwarz/ weiß – und nur eine einzige Ziffer schmückt das Ziffernblatt: ein großes römisches V (fünf) identifiziert sich selbst als Valentino. Das Konzept der Innenausstattung stammt von David Chipperfield Architects. Das Erdgeschoss ist komplett mit Terrazzoboden und ebensolchen Wänden verkleidet. Von hier aus verbindet eine monolithische Stiege aus Palladianer (Natursteinplatte in der Tradition des bedeutendsten Architekten der Renaissance, Andrea Palladio) den zweigeschossigen Erdgeschossbereich mit dem Obergeschoss. Von der Stiege aus können die Kunden die über die Wandfläche verteilten Regale aus Messing und Eichenholz mit den darauf zur Schau gestellten Produkten bewundern, aber auch den gesamten Raum überblicken. In der oberen Ebene ergibt sich eine weitere Enfilade von Räumen, jeder mit eigenen architektonischen Accessoires ausgestattet.


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