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37 www.architektur-online.com Holz Holz ist gesund, Holz ist ein nachhaltiger und ökologischer Baustoff, Holz wächst nach, Holzbau kann vorgefertigt werden und verringert Bauzeiten, Holz ist der Baustoff der Zukunft – alles Phrasen und Schlagworte, welche die derzeitige Diskussion in vielen Bereichen prägen. Auf den nun folgenden Seiten soll ein kleiner (keineswegs vollständiger) Überblick über Holz, seine Verwendung in diversen internationalen Bauprojekten und experimentelle Verwendungen gegeben werden. Die Anfänge des Brettsperrholzes gehen auf die 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts zurück. Damals wurde hauptsächlich Seitenware verarbeitet und Nadelhölzer – allen voran die Holzart Fichte – bildeten den wichtigsten Rohstoff für dieses Produktsortiment. Der Noritec Holzindustrie GmbH ist es 2014 gelungen, erstmalig ein komplettes Haus (Wände, Zwischendecken und Dachelemente) aus Brettsperrholz der Holzart Birke zu produzieren. Die größten Herausforderungen dabei waren der Einschnitt des Birken Rundholzes und die dazugehörige Trocknung sowie die Verklebung sowohl in der Keilzinkenverbindung als auch in der Fläche. Dabei mussten spezielle Trocknungsprogramme und eigene Regime für die Hochfrequenzpresse gemeinsam mit dem Klebstoffhersteller entwickelt werden. Die Holzart Birke bzw. die daraus verklebten Holzwerkstoffe weisen um 50 bis 200 Prozent bessere Eigenschaften als Fichte bzw. Kiefer auf. Beim Pilotprojekt haben die Sichtoberflächen einen speziellen, zusätzlich durch eine weitere Sperrlage verstärkten Aufbau, welcher für eine nahezu riss- und fugenfreie Oberfläche sorgt. Durch die hohen mechanischen Eigenschaften, welche die Birke aufweist, konnten die Plattenstärken um rund zehn bis 15 Prozent reduziert werden. Durch diese Volumenreduktion war trotz eines erhöhten Materialeinsatzes eine noch wirtschaftlichere Bauweise möglich. Die Kühnlein Architekten erbauten in Deutschland für einen privaten Klienten ein Holzhaus, bei dem der Begriff ‚Holzhaus‘ auch bildlich umgesetzt wurde. Wie ein großer Holzbaustein steht die Architektur auf der Wiese, außen fast komplett von einem durchgehenden Raster aus Holzleisten bedeckt. Auch innen ist alles Holz, denn eine wirtschaftliche Bauweise und großzügige Raumgestaltung waren nur mit Brettsperrholz möglich. Die 12 cm starken Holzplatten der Decken spannen im großen Wohn-Koch-Essbereich über 16 m ohne Pfetten, Sparren oder sonstige Stahlbauteile. Alle Brettsperrholzoberflächen sind innen sichtbar, folglich waren keine Verkleidungen oder Verputzarbeiten notwendig. Auf der Expo in Mailand gab es jede Menge Holzbauten. Allein 23 Pavillons sind aus Holz, auch der slowenische Pavillon ist vorrangig aus Holz und Glas gefertigt. Die Architekten haben eine Holzrahmenkonstruktion mit tragenden CLT-Elementen aus dem Hause Stora Enso kombiniert. Dass die Wahl auf CLT (Brettsperrholz) fiel, ist kein Zufall: Der Baustoff gilt in der Holzbranche als wahrer Allrounder. Und Slowenien positionierte sich mit seinem hölzernen Pavillon ganz bewusst als Land mit reichem „hölzernen Erbe“. Einerseits ist Slowenien eines der am dichtest bewaldeten Länder Europas. Andererseits hat der Werkstoff Holz hier eine uralte Tradition. So wurde das älteste Holzrad der Welt vor rund 5.200 Jahren in Slowenien gefertigt. CLT (Cross Laminated Timber/ Brettsperrholz) ist ein Massivholz-Bauprodukt, welches aus mindestens drei Lagen kreuzweise verklebter Einschichtplatten hergestellt wird und derzeit in einer Größe von bis zu 2,95 x 16 m produziert wird. © Sono Architects


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