Architektur Fachmagazin Ausgabe 02/2026
Gebauter Übergang
Gebäudehüllen müssen heute mehr können als je zuvor. Sie sollen Energie sparen oder erzeugen, Ressourcen schonen, Hitze puffern, Identität stiften, auf Bestand reagieren und im besten Fall auch noch gut altern. Dass aus dieser Vielzahl an Anforderungen auch ein architektonisches Potenzial entsteht, ist eine der spannendsten Entwicklungen des gegenwärtigen Bauens.
Denn genau dort, wo Anforderungen aufeinandertreffen, wird Architektur interessant. An der Hülle entscheidet sich, wie ein Gebäude auf Klima und Kontext antwortet, wie es seine Nutzung organisiert, wie es sich im Stadtraum behauptet – und welche Geschichte es über sich selbst erzählt. Die Hülle ist damit nicht einfach Verpackung, sondern eine der produktivsten Zonen des Entwurfs.
Die Beiträge dieser Ausgabe spannen einen Bogen von leichten, materialeffizienten Konstruktionen bis zu komplexen Hochleistungsfassaden: In der Bretagne wird ein Sport- und Kulturzentrum unter einer textilen Dachlandschaft aus Holz und Membran organisiert, die mit ausgetüftelter Geometrie viel Raum mit wenig Material schafft. In Valldal wiederum wird eine alte Scheune zur Hülle für ein Restaurant, dessen eingepasster Holzkern so gefügt ist, dass die historische Substanz unangetastet und der Eingriff reversibel bleibt. Auch die Vila Muhr am Bohinjer See begreift die Hülle als Schichtung ihrer Geschichte, in der sich historische Fragmente, Rekonstruktion und zeitgenössische Konstruktion zu einem neuen architektonischen Zusammenhang verbinden.
Demgegenüber stehen Projekte, in denen die Hülle als technisch verdichtetes System erscheint. Am Cyber Valley in Tübingen verbindet eine zweischichtige Fassade Sonnenschutz, Photovoltaik und Wartung zu einem integralen Ganzen; in Hongkong vereint The Henderson skulpturale Form mit thermischer Leistung, natürlicher Belüftung und Widerstandsfähigkeit gegenüber Taifunen. Das Photo-SeMA in Seoul schließlich rückt die Wahrnehmung selbst in den Mittelpunkt und übersetzt die Beziehung von Architektur und Fotografie in eine plastische, leicht verdrehte Gebäudeform aus Licht, Bewegung und Blick.
Ergänzt wird diese Ausgabe durch aktuelle Produktneuheiten und zahlreiche weitere Projektberichte. Darüber hinaus erhält auch die Retailarchitektur wieder eigenen Raum, wobei diesmal unter anderem die Kioskarchitektur im Fokus steht.
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Kategorie: Archiv









