Kategorie: Kolumnen
Verantwortung übernehmen
Christine Sohar ist Senior Associate beim niederländischen Architekturbüro MVRDV. Gegründet 1993 von Winy Maas, Jacob van Rijs und Nathalie de Vries, prägt das in Rotterdam ansässige Büro mit weiteren Standorten in Berlin, Paris, Shanghai und New York sowie rund 300 Mitarbeitenden seit drei Jahrzehnten die Diskussion über urbane Lebensräume. Die aus Graz stammende Architektin, die nach ihrem Studium an der TU Graz und der TU Delft zunächst bei Ole Scheeren in China arbeitete und 2016 zu MVRDV kam, ist seit 2025 Senior Associate. Im Interview spricht sie über die DNA-Elemente, die die Architektursprache des Büros definieren, über den Dialog mit Bauherren zwischen Vision und Kompromiss – und über die Rolle digitaler Werkzeuge im kreativen Prozess.
Die Schönheit nicht vergessen, sonst fällt das Dreibein um
GRAFT Architects wurde 1998 in Los Angeles von Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit gegründet. Sven Fuchs und Georg Schmidthals kamen 2018 als Partner hinzu. Hauptstandort ist seit 2001 das GRAFTLAB in Berlin. Weitere Büros folgten 2004 in Peking und 2019 in Shanghai. GRAFT beschäftigt heute rund 75 Mitarbeiter. Die kollektive Tätigkeit umfasst ein breites Spektrum von Gebäudetypen wie Wohn-, Kultur-, Bildungsbauten, institutionelle, kommerzielle, Masterplan- und Gesundheitsprojekte auf der ganzen Welt. Lars Krückeberg spricht über die Vision einer Architektur, die glücklich macht, die Philosophie des „Grafting“ als Fusion von Gegensätzen und Ambivalenz sowie die Rolle des Architekten als Zukunftsschützer.
Freiraum Jetzt
Sie spricht von Wäldchen statt Parkplätzen, von Flächen, die Wasser speichern, und von Städten, die wieder atmen lernen: Anna Detzlhofer, Landschaftsarchitektin und Präsidentin der ÖGLA, gehört zu jenen Stimmen, die urbane Lebensräume neu denken. Mit ihrem Büro DnD Landschaftsplanung prägt sie die Freiraumkultur Wiens und darüber hinaus und engagiert sich für eine Disziplin, die längst mehr ist als gestalterisches Beiwerk. Ein Gespräch über den gesellschaftlichen Wert von Grünraum, die Tücken unterirdischer Garagen – und die sinnliche Seite von Stadtlandschaft.
Keramik im Wandel
Keramik erlebt ein Comeback – vielseitig, experimentell, überraschend modern. Ob in großformatigen Fassaden, skulpturalen Möbeln oder als schlichte Tasse im Alltag: Immer mehr Architekt:innen und Designer:innen entdecken das Material neu. Auch in Innsbruck, wo man im kürzlich eröffneten Unbound Coffee Shop seinen Flat White aus einem schlichten cera.LAB-Cup genießen kann – weit entfernt von der provokanten Geometrie des „Ugly Cup“, aber mit derselben Haltung: Keramik als Experimentierfeld zwischen Alltag und Kunst. Mit seinem Studio cera.LAB entwickelt der Architektur-Designer und Materialforscher Jan Contala digitale Werkzeuge, die wie eine Verlängerung der Hand funktionieren.
Orte des Austauschs und der Teilhabe
Ein Schulgebäude ist endlich weit mehr als Klassenzimmer, Gang und Turnsaal. Es ist Lernlandschaft, Lebensraum und sozialer Mikrokosmos. Das Architekturbüro Kronaus Mitterer prägt diesen Wandel heute entscheidend mit. Im Interview sprechen Christian Kronaus und Peter Mitterer darüber, wie sich pädagogische Konzepte in räumliche Strukturen übersetzen lassen – und warum der „Raum als dritter Pädagoge“ dabei keine bloße Metapher ist.
Erhalt zählt
Die Zukunft der Prager Vyšehrad-Eisenbahnbrücke zeigt exemplarisch, wie historische Städte Infrastruktur erneuern können, ohne ihr kulturelles Erbe zu opfern. Ein Streitfall zwischen Abrisslogik, Bürgerengagement und belastbarer Ingenieurskunst. Kaum ein anderer Bau im Prager Bahnnetz bündelt so viele Ebenen wie die Vyšehrad-Eisenbahnbrücke: 1901 als genietete Dreifeldkonstruktion über die Moldau errichtet, ist sie zugleich zentrale Schienenverbindung, Teil der UNESCO-Welterbestätte und ein Fixpunkt im Panorama zwischen Fluss, Stadt und Vyšehrad-Felsen. Jahrzehntelange Vernachlässigung führte jedoch dazu, dass Geschwindigkeiten reduziert, die Brücke als Engpass eingestuft und schließlich ein kompletter Abriss mit dreigleisigem Neubau auf den bestehenden Pfeilern ins Spiel gebracht wurde.
Solide Basis
Ruhe, Klarheit und zurückhaltenden Luxus strahlt der neue Besprechungsbereich im Wiener Formdepot aus. Im Zentrum der Gestaltung steht ein nach allen Regeln der Kunst verarbeiteter, österreichischer Naturstein. Die Zen Area markiert einen zentralen Ort im Formdepot. Auf einer Fläche von rund 40 Quadratmetern laden – je nach Bedarf – ein Ess- oder Besprechungstisch, eine Theke und ein Sitzbereich zu unterschiedlichen Formen der Interaktion ein.
Wandelbarer Baustoff
Im ehemaligen Sitz der Wiener Wirtschaftskammer, einem Nachkriegsbau von Carl Appel, eröffnete 2024 das Hotel The Hoxton Vienna. Der 2020 unter Denkmalschutz gestellte Bau im 3. Wiener Gemeindebezirk steht für einen sachlichen und ressourcenschonenden Umgang mit vorhandener Substanz und gilt als Paradebeispiel, wie sich ein geschütztes Bürogebäude nachhaltig umnutzen lässt. Das Wiener Büro BWM Designers & Architects setzte auf Anpassung und Weiterverwendung der bestehenden Substanz. Wo möglich und sinnvoll, wurden Bauelemente beibehalten.
Mutige Entscheidungen & individuelle Lösungen
Sabrina Mehlan, Petra Meng und Stefanie Wögrath – dieses Frauentrio steht hinter illiz architektur. Das 2008 gegründete Büro hat Standorte in Wien und Zürich und besteht inzwischen aus einem 20 bis 30-köpfigen Team. Im Gespräch geben die drei Architektinnen Einblick in ihre Herangehensweise an unterschiedliche Bauaufgaben und erläutern, wie es zu ihrem Fokus auf Bildungs-, Sport- und Kommunalbauten kam. Außerdem sprechen sie über realisierte Projekte, ihren Mut zu kontroversen Entscheidungen und die größten Unterschiede, die dem Büro beim Bauen in Österreich und der Schweiz begegnen.
Lichtkörper – Wie Boris Podrecca das Immaterielle baut
Ein persönlicher Essay über das Werk eines Architekten, der Licht als Baumaterial denkt – und Hospitalityräume so komponiert, dass Atmosphäre zum tragenden Bauteil wird. Zwischen dem gedämpften, introvertierten Licht des Orients und der mitteleuropäischen Klarheit entsteht eine Poetik, die weder dekoriert noch beleuchtet, sondern baut und berührt.
Form follows Vision
Seit über 30 Jahren prägen Christoph Pichler und Johann Traupmann als PxT die österreichische Architekturszene. Entstanden in der Meisterklasse von Wilhelm Holzbauer, basiert ihre Partnerschaft auf einem unermüdlichen Dialog und einem gemeinsamen Arbeitsethos, das Architektur als intellektuelle Disziplin begreift. Im Gespräch blicken die beiden Architekten auf die Anfänge in Wien zurück, erklären, warum ein produktives Missverständnis oft besser ist als der ursprüngliche Plan und warum ihr dialogisches Prinzip auch in einem Büro mit 30 Mitarbeitenden noch funktioniert.
Eine tragfähige Verbindung
Schneller, leichter und ökologischer bauen – eine neuartige Holz-Stein-Verbunddecke löst mehrere Herausforderungen der Baubranche. Beim Stone Demonstrator in London erlebte das neuartige System seine große Premiere. Es steht für eine deutliche Reduktion grauer Emissionen, für eine serielle, trockene und kreislauffähige Bauweise und für eine neue architektonische Ausdrucksform des nachhaltigen Bauens. Für das System haben die beteiligten Partner – das Bamberger Natursteinwerk gemeinsam mit der Friedrich Verbundsysteme GmbH aus Helmbrechts – ein Patent angemeldet. Bamberger-Geschäftsführer Hermann Graser erläutert es.








