Architektur Fachmagazin Ausgabe 07/2025

13. Januar 2026 Mehr

Raster, Modulbau, Vorfertigung …

… diese Begriffe lösen bei Architekturschaffenden nicht immer Begeisterungsstürme aus. Zu oft werden sie mit Monotonie, reiner Kostenoptimierung oder dem Verlust individueller Gestaltung assoziiert. Doch wir erleben derzeit eine Renaissance des seriellen Bauens, die mit den „Plattenbauten“ vergangener Tage kaum noch etwas gemein hat. Die Verlagerung der Wertschöpfung von der Baustelle in die wettergeschützte Werkhalle ist heute ein Schlüssel zu Präzision, Kostensicherheit und – so paradox es klingen mag – auch zu neuen gestalterischen Freiheiten. In dieser Ausgabe widmen wir uns deshalb dem Spannungsfeld aus System, Technik und Effizienz. Wir wollen zeigen, wie der Algorithmus zur Hand des Handwerkers wird, wie serielle Vorfertigung individuelle Qualitäten hervorbringen kann und wie sich Effizienz als architektonischer Mehrwert denken lässt.
Den Auftakt macht das neue Stammhaus der Holzspezialisten von Blumer Lehmann. Die parametrisch entwickelte Treppenskulptur führt exemplarisch vor, wie digitale Modellierung, CNC-Fertigung und handwerkliches Wissen ineinandergreifen können, um technische Präzision mit räumlicher Atmosphäre zu verbinden – und wie leistungsfähig moderne Holzbauweisen als System sein können. Daran knüpft Cube68 an: Ein modularer Holzbau, der trotz strenger Raster überraschend viel räumliche Individualität erzeugt und auf minimaler Fläche hohe Wohnqualität schafft. Ein Pilotprojekt mit Signalwirkung für die angespannten Wohnungsmärkte. Das Projekt Siège intercommunal erweitert diesen Blick um die Low-Tech-Perspektive. Lehmziegel, Holz und natürliche Klimatisierung zeigen, dass Effizienz nicht zwingend aus High-Tech entsteht, sondern ebenso aus Reduktion, Klarheit und zukunftsoffenen Grundrissen. Einen sozial orientierten Ansatz verfolgt darüber hinaus das Collegium Academicum in Heidelberg. Der partizipative Prozess, das suffiziente Raumprogramm und die gemeinschaftlich organisierten Strukturen machen deutlich: Effizienz kann auch bedeuten, architektonische Systeme im Dienste sozialer Nachhaltigkeit zu denken. Weitere Projektberichte führen diese Gedanken in unterschiedliche Richtungen weiter: Mit dem Vienna Green Hub z.B. gelingt es, durch konsequentes Weiterbauen, bestehende Strukturen in klimaneutrale Arbeitswelten zu transformieren. Und der Campus SHED in Berlin demonstriert, wie industrielle Typologien zu flexiblen, robusten Räumen werden, die ganze Quartiere neu beleben.
Am Ende bleibt bei aller Faszination für CNC-Fräsen, Modulraster und Energiekonzepte eine Erkenntnis: Technik ist kein Selbstzweck und ein System ist nur so gut wie die Lebensqualität, die es ermöglicht. Die hier vorgestellten Projekte machen Mut, dass Effizienz und Empathie im modernen Bauen keine Gegensätze mehr sind, sondern Partner einer neuen architektonischen Kultur.

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Kategorie: Archiv