Brandschutz nach dem Baukastenprinzip

22. Juli 2026 Mehr

Kann man ein Krankenhaus in Holzmodulbauweise errichten, oder wird der Brandschutz dabei zum Stolperstein? Das Ingenieurbüro Hoyer Brandschutz gab in dieser Frage grünes Licht und übernahm die Planung für das neue Stationsgebäude Süd des Universitätsklinikums AKH Wien, das im Frühjahr 2026 baulich fertiggestellt wurde.

 


Das neue Stationsgebäude Süd besteht aus insgesamt 112 Holzmodulen. Nur die zwei Treppenhäuser an den Stirnseiten des Gebäudes wurden als nicht brennbarer Massivbau errichtet.

 

Das Stationsgebäude Süd dient als Ausweichquartier während der Modernisierung des Bettenhauses Ost und beherbergt auf 4.000 m² Nutzfläche 46 Zimmer für 88 Patient:innen, eine Tagesklinik sowie 45 Therapieräume. Alle vier Obergeschosse entstanden in Holzmodulbauweise: 112 vorgefertigte Holzmodule wurden dafür auf der Baustelle millimetergenau montiert. Im Vorfeld der Planung sorgte jedoch der Brandschutz für Bedenken, da ein Krankenhaus durch die spezielle Nutzung vielen Auflagen unterliegt und technisch sehr komplex ist. Hoyer Brandschutz konnten aber darlegen, dass es für jede Anforderung eine Lösung im Brandschutz und beim konkreten Projekt nur eine Einschränkung gibt: Aufgrund der Gebäudehöhe waren die zwei Treppenhäuser an den Stirnseiten des Gebäudes als nicht brennbarer Massivbau zu errichten.

 


Alle Zimmer bilden brandschutztechnisch abgetrennte Zellen. Im Brandfall können Patient:innen bis zu 60 Minuten sicher im Zimmer verbleiben.

 

Zwischen den Treppenhäusern konnten die jeweils 32 m² großen Holzmodule aber ohne wesentliche Abweichungen von der Bauordnung neben- und aufeinander platziert werden. Da das statische System des Gebäudes auf Holz beruht, war die Frage des Abbrands zentral für die Tragfähigkeit im Brandfall. Die Holzmodule wurden aus statischen Gründen größer dimensioniert, was dem Brandschutz zugutekam: Mit ihrer Holzdicke erfüllen die Module nicht nur den gesetzlich geforderten Feuerwiderstand von 30 Minuten, sondern 90 Minuten.

 


Jedes Obergeschoss bildet einen Brandabschnitt und ist in drei Evakuierungsabschnitte unterteilt. Das Gebäude wurde mit einer Brandmeldeanlage sowie einer Wandhydrantenanlage ausgestattet. Bei den Wandhydranten befinden sich zusätzlich CEE-Drehstromsteckdosen für die Feuerwehr.

 

Der hohe Vorfertigungsgrad setzte aber voraus, dass die Brandschutzplanung mit sämtlichen relevanten Ausführungsdetails schon mit Baubeginn abgeschlossen war: Jedes Detail der Holzmodule – von der Konstruktionsweise selbst über den Transport bis hin zur Montage – musste auf seine Übereinstimmung mit dem Brandschutzkonzept überprüft werden. Zudem gab es zahlreiche Details im Sinne einer Werks- und Montageplanung zu bedenken: Jede Anschlusssituation, Schraube oder Befestigung kann im Brandfall Auswirkungen, jedes Loch eine Schwächung des Holzes bedeuten und jeder Hohlraum zwischen den Holzmodulen einen Einbrand zur Folge haben.

 


Vor den Stützpunkten befinden sich großflächige Sichtfenster zum Gang. Die Verglasung wird durch einen Feuerschutzvorhang brandfallgesteuert abgeschlossen.

 

Für den Brandfall sieht die Planung der Brandschutzexperten vor, dass Patient:innen bis zu 60 Minuten im Zimmer verbleiben können. Dafür wurde eine Zellenstruktur gebildet und jedes Modul brandschutztechnisch von den benachbarten Modulen abgetrennt. Eine Brandmeldeanlage im Schutz­umfang „Vollschutz“ sorgt zudem für eine rasche Branddetektion und mit der AKH-Feuerwache gibt es eine Betriebsfeuerwehr, die in wenigen Minuten vor Ort ist und über Fluchtmaßnahmen entscheiden kann. Für eine Evakuierung ist jedes Obergeschoss als Brandabschnitt ausgebildet und in drei Evakuierungsabschnitte unterteilt. In Kombination mit den Personen- und Lastenaufzügen, von denen sich jeweils zwei in den Treppenhäusern an den Stirnseiten des Gebäudes befinden, ermöglicht das Konzept eine optimale Entfluchtung: So kann unabhängig vom Ort des Brandausbruchs stets in den benachbarten Brandabschnitt auf gleicher Ebene oder über eine Aufzugsanlage evakuiert werden.

 


Pro Station werden zehn Fluchtfiltermasken vorrätig gehalten. Diese dienen der Evakuierung von Patient:innen aus verrauchten Bereichen.

 

Nach erfolgreichem Abschluss betonen die Experten von Hoyer Brandschutz den Pioniercharakter des Projekts: Es ist wegweisend, dass man sich in einer Krankenhausnutzung so klar für diese nachhaltige Umsetzung entschieden hat. Holz ist und bleibt ein brennbarer Baustoff, in Brandschutzkonzepten wird er aber in eine Gesamtheit an abgestimmten Maßnahmen wie Brandabschnitte, Abschottungen oder Anlagentechnik eingebettet. Damit bleibt ein Brand – wie bei Beton, Ziegel und anderen nicht brennbaren Baustoffen – stets auf einen minimalen Bereich beschränkt.

 

HOYER Brandschutz GmbH
T +43 (0)1 982 28 70–0
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www.hoyer-brandschutz.at

 

Fotos: Robert Tober

 

Kategorie: Haustechnik, Produktnews, Sonderthema