(H)ausgedruckt
Mit House Zero realisierten ICON und Lake Flato ein Einfamilienhaus in Austin. Das Besondere daran? Es handelt sich um ein 3D-gedrucktes Projekt aus Beton. Das prototypische Nullenergiehaus bietet nicht nur ansprechenden Wohnraum, sondern lotet gleichzeitig die Grenzen automatisierter Bauprozesse aus und demonstriert, wie nachhaltige, energieeffiziente Architektur in der Zukunft aussehen könnte.
Der Bau entstand im Osten Austins im Rahmen des South by Southwest, kurz SXSW. Bei dem jährlich stattfindenden Festival in der Tech-Metropole werden zukunftsweisende Projekte aus den Bereichen Technologie, Digitales und vielen mehr präsentiert. Für das Design von House Zero kooperierten die 3D-Bautechnik-Experten von ICON mit dem texanischen Architekturbüro Lake Flato. Das Einfamilienhaus mit 186 m2 Nutzfläche ist als eingeschossiger, pavillonartiger Bau gestaltet. Im länglichen Haupttrakt ordnen sich zwei Schlafzimmer mit separaten Bädern um einen gemeinsamen Wohn-Essbereich an. In einem kleineren Volumen befindet sich ein weiterer Raum mit Badezimmer. Der Grundriss des innovativen Hauses kann nicht nur individuell an die Bedürfnisse seiner Nutzer, sondern laut Hersteller auch über den gesamten Lebenszyklus niederschwellig an wechselnde Anforderungen angepasst werden.
Sämtliche Wände wurden mithilfe eines computergesteuerten Systems gefertigt: Ein riesiger 3D-Drucker der Vulcan-Konstruktionsserie brachte das Material schichtweise auf dem Fundament auf und errichtete innerhalb von 10 Tagen die gesamte Grundstruktur des Hauses. Die stahlverstärkten Mauern bestehen mit Lavacrete aus einem speziell von ICON entwickelten, druckbaren Material. Bei ihm handelt es sich um eine luftdichte und druckfeste Zementmischung. Diese ist selbst bei hohen Druckgeschwindigkeiten äußerst formbeständig und reduziert damit die Bauzeit auf ein Minimum. Je nach Standort lässt sich der Werkstoff mit veränderter Zusammensetzung zudem an unterschiedliche klimatische Bedingungen anpassen. Der Wandaufbau ist zweischichtig ausgeführt. Dabei umschließen die Betonlayer einen isolierten Kern und ergeben eine thermisch getrennte Hülle. Auf diese Weise vereint die Konstruktionsweise mehrere Bauschritte in einem und spart Zeit, Kosten und Abfall.
Zur grauen Lavacrete-Struktur kombiniert das Planerteam Holz und Glas. Während großflächige Fenster für lichtdurchflutete Wohnräume sorgen und den Bedarf an künstlicher Beleuchtung verringern, legt sich ein leichtes Flachdach über die Betonwände und schützt – weit auskragend – vor Witterungseinflüssen wie Regen und direkter Sonneneinstrahlung. Die konstruktive Höhe der Dachbalken ermöglicht schmale Oberlichter, durch die die Morgensonne indirekt ins Innere fallen kann. Auf dem Dach gibt es genügend Platz für Photovoltaik-Paneele und eine autarke Energieversorgung.
Die gedruckten Außenwände prägen auch im Haus die Räume. Sie bleiben mit ihrem geschichteten Aufbau sichtbar und bilden gemütliche Nischen und Rückzugsorte. Die geschwungenen Formen begünstigen eine natürliche, interne Zirkulation und schaffen sanfte Übergänge zwischen den einzelnen Bereichen. In den Gemeinschaftsflächen reizte das Planerteam die maximale Höhe von 3.3 m voll aus, um die Grenzen des Möglichen der 3D-Struktur zu zeigen. In den privaten Räumen entschied man sich dagegen bewusst für niedrigere Decken und mehr Komfort. Wie bei der Gebäudehülle werden die Betonelemente im Inneren von Untersichten, Einbauten und Zwischenwänden aus Holz ergänzt. Als nachwachsender Rohstoff ist das helle Naturmaterial robust und nachhaltig und kreiert eine gemütliche Atmosphäre.
Geht es nach den Ingenieuren von ICON, so sind das House Zero und seine 3D-Drucktechnologie die Zukunft. Einfach errichtet, soll der Prototyp niederschwellig und kostengünstig den Traum vom Eigenheim ermöglichen und durch seine Langlebigkeit überzeugen. Bauherren müssen sich künftig also „nur“ mehr um einen erschwinglichen Bauplatz kümmern und den Printer starten.
Text: Edina Obermoser
Fotos: Casey Dunn
Kategorie: Projekte











