Leben im Stall

20. September 2021 Mehr

Wo früher Tiere vor der Grenzüberquerung eine Quarantäne durchlaufen mussten, wird heute gewohnt. An der belgisch-niederländischen Grenze gelegen, gestalteten B-architecten die früheren Stallanlagen um und schafften so Raum für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt, das sich Qville nennt.

 

 

In 13 Häusern fügen sich 44 Wohnungen verschiedener Größen von 1- bis 4-Zimmer zu einer Wohngemeinschaft zusammen. Die parkenden Autos sind unter die Erde verbannt, die Oberfläche gehört den Fußgängern, Fahrradfahrern und spielenden Kindern. Bei diesem Projekt handelt es sich nicht nur um den Zusammenschluss von Wohnungen, denn vieles wird hier geteilt: ein kleiner Teich, eine überdachte Sommerküche, ein Indoor-Pool, ein Gemeinschaftsraum mit Arbeitsplätzen und auch gemeinsam nutzbare Autos stehen zur Verfügung. Das 1,7 ha große Areal ist auch für Touristen offen, die hier in einem der Gästezimmer unterkommen können. Ein Pub schafft die Verbindung zur Nachbarschaft, die so hierher eingeladen wird.

 

 

Den Charme der Anlage macht das Bestehende aus. Das Ensemble umfasst eingeschossige Zeilenbauten mit Backsteinmauerwerk und Satteldach. Nichts erinnert mehr an deren frühere Nutzung als Stall. Feinfühlig sind die Bestandsbauten auf Vordermann gebracht worden, die fehlenden Bestandteile behutsam wiederhergestellt und erkennbar gemacht durch die hölzernen Fassaden. Erstaunlich ist, wie eine derartige Stallanlage ein solch charmantes Bild für eine Wohngemeinschaft abgeben kann. Dass das Konzept fruchtet und die Bauten zum Wohnen adaptiert werden konnten, ist den Händen der B-architecten geschuldet. Noch hat das Konzept von Qville etwas experimentelles an sich. Glückt der Versuch, unterstützt er hoffentlich die Entwicklung weiterer derartiger Wohnprojekte.

 

 

Fotos: Lucid

 

Kategorie: Projekte