Schatzkammer der Künste

17. Juni 2015 Mehr

 

Erweiterung Museum Liaunig / Österreich / querkraft architekten zt gmbh

Wenn sich ein dem Mäzenatentum verpflichteter Kunstsammler und ein gutes Architekturbüro treffen, dann kann schon einiges passieren. So geschehen beim Bau des Museum Liaunig in Kärnten. Nur dass dort gar nicht so viel Sichtbares, sondern eher Unterirdisches passierte. Die wirkmächtigen Fotos dieser Architektur, die wie ein 160 Meter langer Stab einen Hügel durchschneidet und an den Enden 30 Meter herausragt, sind bekannt. Die Architektur des vielleicht schönsten österreichischen Museums, ist in einem Bundesland, das großflächig von hässlicher Hotel- und Appartementarchitektur geprägt ist – durchaus beachtlich. 

 

 

Aus Kostengründen und zur Optimierung des Energiekonzepts liegen 95 % der 2008 geschaffenen Kubatur unterhalb der Erde – der Erdaushub wurde auf dem Grundstück verteilt. Man betritt das Museum über das großzügige Schaudepot, den „Weinkeller der Kunst“ und erreicht die helle Haupthalle an zentraler Stelle. Sie liegt – als trogartiger, großteils unterirdischer Stahlbetonriegel mit 160 Meter Länge, 13 Meter Breite und 7 Meter Höhe hergestellt – quer zur Eingangshalle. Die Aussteifung gegen den Erddruck wird von besonders schlanken Betonträgern mit Trapezquerschnitt übernommen. Diese dienen auch als Medienträger für die Inszenierung der Kunst. An den beiden Enden steht der Riegel über die Kanten des Hügelgrundstücks über, wobei sich an der dem Ort zugewandten Seite, die erwähnte 30 Meter spannende Auskragung – ohne jede Veränderung des Grundtrogquerschnitts – ergibt. Als Gegenpol zur kontemplativen Kunstbetrachtung finden die Besucher im Inneren dramaturgische Höhepunkte durch die intensive Fokussierung auf die außenliegende Landschaft – niemals entsteht der Eindruck, sich unter der Erde zu befinden.

 

 

Das bereits 2013 unter Denkmalschutz gestellte und mehrfach ausgezeichnete Museum Liaunig des Wiener Architekturbüros querkraft, wurde nun 2014 um rund 2.700 m2 Nutzfläche erweitert und am 26. April 2015 für Besucher wiedereröffnet. Die Flächenerweiterung bedeutet einen Zugewinn von 3.100 m2 Bruttogeschossfläche zu den schon bestehenden 5.600 m2. Sie hatte – so die Architekten – das Ziel, eine kräftige, ikonografische Architektur zu schaffen, die der Kunst den notwendigen Freiraum gibt. Bereits in der Wettbewerbsauslobung 2006 waren diese zusätzlichen Bereiche angedacht worden und konnten nun, 2015 realisiert werden. Neben zusätzlichen Depotflächen und dem Skulpturengarten ist es vor allem der Wechselausstellungsbereich, der direkt beim Eingangsbereich angefügt wurde. Dieses Areal wurde durch die Einbeziehung der Bibliothek in Form einer eingeschobenen Galerie von 500 m2 Ausstellungsfläche auf 700 m2 – mit frei gespannter Decke – optisch vergrößert und dadurch dramatisiert. Ein langer, unterirdischer Gang bindet nun auch das schon 2012 errichtete Skulpturendepot an. Im Anschluss an die Goldsammlung wurden eine Glas- und eine Miniaturensammlung unterirdisch angeordnet, beide werden über eine lange Rampe erschlossen.

 

 

Auch diesmal sind keine Stiegen oder Lifte eingebaut worden, die Erschließung sämtlicher Räumlichkeiten erfolgt über Rampen und Gänge horizontal. Bei sämtlichen Maßnahmen lag ein Hauptaugenmerk darauf, Beziehungen nach außen zu ermöglichen. So sind punktuelle Oberlichten, ein Glasportal am Ende des langen Ganges oder die Schaffung eines dreieckigen Atriums am Ende der neuen Ausstellungshalle, wichtige Aspekte des Konzepts. Das Projekt wurde mit extrem niedrigen Baukosten realisiert. Ca. 1.600 €/m2 Nettonutzfläche inkl. Haus-technik sind für ein Museum ein Rekordwert. Das mag auch daran liegen, dass – wie bei der ersten Phase des Baus – eigentlich nur Kellerwände betoniert wurden. Aufwendige Fassadenlösungen sparte man sich einfach. Die Erweiterung wurde so angeschlossen, dass man als Besucher die Übergänge nicht spüren soll. So ist die ca. 15 Meter breite Öffnung zum neuen Bereich der dreieckigen Sonderausstellungshalle nicht als später gesetzte Maßnahme erkennbar.

 

 

Erweiterung Museum Liaunig

Neuhaus, Österreich

Bauherr: HL Museumsverwaltung GmbH, Dkfm. Herbet Liaunig
Planung: querkraft architekten zt gmbh
Mitarbeiter: Stefanie Mayer, Gil Cloos
Statik: Werkraum, Wien
Grundstücksfläche: 22.000 m²
Bebaute Fläche: 7.500 m² (4.700m² Bestand, 2.800 m² Erweiterung)
Nutzfläche: Bestand 5.000 m², Erweiterung 2.700 m²
Planungsbeginn: 10/2013
Bauzeit: 04/2014 – 01/2015
Fertigstellung: 01/2015

 

Fotos: Lisa Rastl

 

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Kategorie: Projekte

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