Material Winner
Ähnlich wie Fußball in Deutschland oder Skisport in Österreich hat in Tschechien Tennis eine lange Tradition und zählt bis heute zu den beliebtesten Sportarten des Landes. Auch die Hauptstadt Prag ist geprägt von einer Vielzahl geschichtsträchtiger und moderner Tennisanlagen, die nicht nur ein sportliches Kräftemessen ermöglichen, sondern auch als soziale Treffpunkte in den Stadtteilen fungieren. Dreh- und Angelpunkt eines jeden Vereins ist das Clubhaus: Es dient als Rückzugsort, aber auch als architektonisches Aushängeschild – und spiegelt die Ambitionen des Clubs ebenso wider wie sein Selbstverständnis.
Eine Holzkonstruktion als klassisches Zitat
Kein Wunder also, sollte der Tennisclub im Prager Stadtteil Ořechovka in jüngster Zeit regen Zuwachs an Mitgliedern verzeichnen. Wer nicht nur die Ästhetik einer ideal getroffenen Rückhand, sondern auch deren angeregte Analyse im Anschluss an das Match in ansprechendem Ambiente zu schätzen weiß, dürfte sich im neuen Clubhaus, das nach den Plänen des Büros Pavel Hnilička Architects+Planners entstand, gut aufgehoben fühlen. Der Neubau ersetzt ein über Jahrzehnte genutztes Provisorium und knüpft zugleich an die Holzarchitektur der Ersten Republik an.
Der Pavillon erhebt sich als leichte Holzkonstruktion auf Eichenstützen, die mit subtiler Entasis bearbeitet sind – eine klassische architektonische Geste, die dem Bauwerk Eleganz verleiht. Gemeinsam mit Plinth, auskragendem Dach und reduziertem Lisenenfries erinnert er an die Leichtigkeit von Kurarchitektur und Kolonnaden, für die Tschechien wohl nicht weniger bekannt ist als für seinen Tennisexport.
Gestaltet bis ins Detail
Das Gebäude zeigt exemplarisch, wie Materialität zum prägenden Gestaltungsmittel werden kann. Die Fassadenverkleidung ist dank karbonisierter nordischer Fichte widerstandsfähig und sorgt dunkel patiniert für eine atmosphärisch dichte Wirkung. Das für die Konstruktion und Möblierung verwendete geölte Eichenholz verleiht dem Gebäude eine warme und haptische Präsenz. In den Umkleiden entschieden sich die Architekten für die Verwendung von Birken-Sperrholz, in den Außenanlagen finden sich Terrazzo-Böden und gebürsteter Beton – allesamt Materialien, die robust, klar und langlebig daherkommen. Filigrane Edelstahlgeländer runden das Gesamtbild gelungen ab, zu dem auch eine skulpturale Stahltreppe zählt, welche die begrünte Dachterrasse erschließt, sowie maßgefertigte Fensterlösungen. Die Oberflächen sind aber nicht nur funktional gedacht, sie transportieren auch Handwerk, Präzision und Dauerhaftigkeit – vom großmaßstäblichen Ausdruck bis ins kleinste Detail.
Von wegen elitär
Aus Nutzungssicht bietet das Clubhaus neben den klassischen Vereinsräumen auch öffentlich zugängliche Bereiche wie ein Café, eine Terrasse, Umkleiden, sanitäre Einrichtungen und Lagerräume. Über eine breite Freitreppe öffnet sich das Gebäude zum Macharovo-Platz, während im Osten eine erweiterte Café-Terrasse das soziale Leben des Viertels bereichert – von Tennisspielen bis zur beliebten Pétanque-Runde. So wird aus einem funktionalen Vereinsgebäude ein städtischer Treffpunkt, der Sport, Gemeinschaft und Architektur zusammenführt.
Das neue Clubhaus in Ořechovka ist damit weit mehr als nur Infrastruktur. Es zeigt, wie durch eine durchdachte Materialwahl, handwerkliche Qualität und architektonische Detailarbeit ein Ort entstehen kann, der Sport, Nachbarschaft und den städtebaulichen Kontext gleichermaßen stärkt. Ein Stück zeitgenössischer Architektur, das Leichtigkeit und Beständigkeit in Balance bringt.
TENNIS CLUB BESEDA OŘECHOVKÁ
Prag, Tschechien
Planung: Pavel Hnilička Architects+Planners
Bauherr: Bezirk Prag 6
Nutzfläche: 168 qm
Kosten: 1.68 MIO EURO
Fertigstellung: 2024
Text: Linda Pezzei
Fotos: Tomáš Slavík
Kategorie: Allgemein









