Künstliche Intelligenz Teil 5: KI für die Raumplanung und -gestaltung
Für Planer werden inzwischen zahlreiche KI-Werkzeuge offeriert. Teil 5 dieser Serie geht speziell auf smarte Tools für die Einrichtung und Gestaltung von Innenräumen ein und stellt einige beispielhaft vor.
Neben der KI-gestützten Grundriss- und Gebäudeplanung (architektur 8/2025), der smarten Baufortschrittskontrolle (architektur 5/2025) oder KI-Bildgeneratoren für die Visualisierung erster Entwurfsideen (architektur 8/2024) gibt es inzwischen auch zahlreiche KI-Programme für die Inneneinrichtung. Dieser Beitrag geht speziell auf Lösungen für die automatisierte Erstellung von 2D-Grundrissplänen und 3D-Raummodellen oder die Einrichtung und Gestaltung von Innenräumen ein, zeigt die Einsatzmöglichkeiten und Vorteile, aber auch Schwächen und Grenzen auf.

Mit KI-Raumplanern können Räume auch virtuell renoviert und möbliert werden. © Flowdust Online Services
Was können KI-Raumplaner?
KI-gestützte Software für die Raumplanung und -gestaltung erkennt Bildinhalte, Muster oder Stile und erzeugt entsprechend dem Anwenderwunsch neue Bildinhalte. Damit kann man sich auf der Grundlage von Anwenderangaben wie Text-Prompts, Raumfotos, Raumkizzen oder Grundrissen in wenigen Sekunden oder Minuten Raumgestaltungs- und Einrichtungsvorschläge in einem bestimmten Stil (z.B. modern, minimalistisch, skandinavisch etc.) machen lassen – etwa für Wohnzimmer, Küchen oder Bäder, Büros, Läden etc. Räume lassen sich mit den gewünschten Wand-, Decken- und Bodenfarben oder materialien, der gewünschten Lichtstimmung und den ausgewählten Möbeln und Accessoires visualisieren. Die virtuell eingerichteten Räume können bei einigen Lösungen auch als interaktive 360 Grad- oder Virtual Reality-Präsentation am Bildschirm oder per VR-Brille ausgegeben werden. Auch so genannte Moodboards, die mit Fotos, Farben, Materialtexturen und erläuternden Texten das Designkonzept des Projektes vermitteln, können mit einigen KI-Raumgestaltern erstellt werden. Die Ergebnisse kann man dann direkt für die Kundenberatung oder als Inspirationsquelle für die weitere Projektplanung nutzen – ohne den Raum skizzieren oder aufwendig dreidimensional modellieren zu müssen. Da die Berechnung extern abläuft, ist keine besondere Hardware-Ausstattung (Prozessor, Grafikkarte etc.) erforderlich. Im Gegensatz zu Chatbots wie ChatGPT, Google Gemini oder Microsoft Copilot, mit denen auch Räume oder Raumfotos per Text-Prompt virtuell eingerichtet werden können, verfügen KI-Raumgestalter über spezielle Funktionen. Das sind beispielsweise vordefinierte Raumtypen, Designstile, Material- und Möbelbibliotheken sowie Funktionen zur 2D-Grundriss- oder 3D-Modellerstellung oder zur digitalen Erfassung bestehender Räume. Teilweise können auch gescannte 2D-Bestandspläne oder -skizzen in professionelle Grundrisspläne oder ein 3D-Raummodell umgewandelt werden – unmittelbar am PC oder als Dienstleistung. Einige Lösungen können auch bestehende Räume per LiDAR-Scan (Light Detection and Ranging) dreidimensional erfassen oder Grundriss-Skizzen und Pläne automatisch in 3D-Modelle umwandeln. Diese lassen sich anschließend individuell gestalten, möblieren und über Schnittstellen in CAD- oder BIM-Programme wie Revit, Rhino, Sketchup, Archicad etc. importieren und dort weiterbearbeiten.

Nach dem Hochladen einer Vorlage, der Wahl eines Raumtyps, Einrichtungsstils, Farbkonzepts und Mobiliars schlägt die KI Möbelarrangements, Materialien und Farben in mehreren Varianten vor. © Flowdust Online Services
Wie funktionieren KI-Raumplaner?
Jede Software ihre eigenen Einsatzschwerpunkte, Funktionsumfänge und Bedienkonzepte – im Prinzip sind die Abläufe aber ähnlich: Zunächst muss der Anwender eine Vorlage (Raumskizze, Raumfoto oder Grundriss) hochladen, anschließend wählt er einen vorgegebenen Raumtyp und Einrichtungsstil aus. Die KI analysiert den (leeren oder bereits möblierten) Raum und schlägt automatisch passende Möbelarrangements, Materialien und Farbpaletten in mehreren Varianten vor, die anschließend individuell modifiziert werden können. Die KI erkennt Wände, Böden und andere Gebäudebauteile sowie vorhandene Möbel und modifiziert diese auf Wunsch oder fügt neue Elemente perspektivisch und maßstäblich korrekt ein. Wandflächen, Türen, Fenster oder Möbel und andere Einrichtungsgegenstände lassen sich und individuell verändern. Auch störende Bildbereiche können gezielt entfernt oder modifiziert verändert werden. Hinter der KI-Raumplanung stecken aktuelle Technologien der Künstlichen Intelligenz, wie Maschinelles Lernen, Bildverarbeitung und Generative KI. Beim Maschinellen Lernen werden die KI-Modelle mit riesigen Datenmengen (Grundrisse, Raumfotos, Einrichtungsstile, Möbeldesigns etc.) trainiert, um Räume, Bauteile, Möbel, Design- und Einrichtungsstile zu erkennen und Vorschläge für eine wunschgemäße Einrichtung, Gestaltung und optimale Raumnutzung zu machen. Die Bildverarbeitung (Computer Vision) ist in der Lage, Raumfotos oder Grundrisse zu analysieren und darin Wände, Türen, Fenster, Raumabmessungen, Möbel oder Acessoires zu identifizieren. Die Generative KI erstellt neue Inhalte, um basierend auf einem Raum und einem gewählten Designstil oder Textprompt ein fotorealistisches Rendering eines komplett eingerichteten Zimmers zu generieren. Algorithmen für eine automatisierte Raumplanung berechnen dabei die beste Möbelanordnung unter Berücksichtigung von Raumproportionen, Laufwegen, der Funktionalität etc. Bei der Rendering-Berechnung werden für optimale Bildgergebnisse unterschiedliche KI-Modelle verwendet, etwa Google Imagen, Flux Kontext oder Seedream.

Hochgeladene oder KI-generierte Grundrisse können grafisch aufbereitet, … © Ideal House
Welche KI-Raumgestalter sollte man kennen?
Die folgenden Lösungen fallen durch besondere Funktionen oder eine häufige Nennung in Übersichten auf (siehe auch Infokasten). Die meisten sind kostenpflichtig und setzen eine Registrierung voraus. Manchmal ist auch ein kostenfreier Test möglich, wenn man sich z.B. über ein Google-, Microsoft- oder Facebook-Konto angemeldet hat. Die Kosten pro Arbeitsplatz und Monat liegen, je nach Funktionsumfang, zwischen 25 und 120 Euro. Achten sollte man darauf, dass im Preis kommerzielle Nutzungsrechte enthalten sind. Nicht berücksichtigt wurden für Privatkunden konzipierte, Marketingzwecken dienende, kostenlose Raumeinrichter-Apps, etwa von Möbelhäusern wie Ikea, Mömax oder XXXLutz. Diese nutzen KI und Augmented Reality, damit der Kunde Räume per Smartphone- oder Tabletkamera dreidimensional erfassen und anschließend mit Produkten des Möbelhauses virtuell einrichten kann.
Foyr Neo: … ist eine cloudbasierte KI-Software für Planer und Inneneinrichter, die aus 2D-Grundrissen editierbare 3D-Modelle und Visualisierungen generiert. Die Plattform bietet Zugriff auf über 60.000 3D-Objekte und 10.000 Design-Vorlagen. Das soll individuelle Einrichtungsvorschläge vereinfachen, die in wenigen Minuten als fotorealistische Renderings in hochauflösender 4K- oder 12K-Qualität ausgegeben werden können. (www.foyr.com)
Getfloorplan: … ist ein KI-gestützter Webservice, der 2D-Skizzen in 2D- und 3D-Grundrisspläne, 3D-Visualisierungen oder 360-Präsentationen umwandelt. Die Grundrisse oder 3D-Modelle lassen sich individuell modifizieren und optional auch per VR-Brille virtuell erkunden. Das Tool will insbesondere die Immobilienvermarktung durch eine automatisierte Möblierung und fotorealistisches Rendering beschleunigen. (www.getfloorplan.com).

… in 3D-Modelle umgewandelt, anschließend exportiert und in CAD-/BIM-Programmen weiterbearbeitet werden. © Homestyler
Homestyler: Die webbasierte Software generiert aus 2D-Grundrissen 3D-Modelle, die mithilfe eines umfangreichen, thematisch sortierten Markenmöbel-Katalogs eingerichtet werden können. Ausgegeben werden hochauflösende 4K-Renderings oder virtuelle VR-Rundgänge sowie Modelldaten im DWG- oder SKP-Format. Eine optionale Teamlizenz vereinfacht die Kollaboration im Team (www.homestyler.com).
Ideal House: … ist eine KI-gestützte Plattform zur Haus-, Raum- und Einrichtungsplanung auf Grundlage von Anwenderangaben, Fotos, Skizzen oder Plänen. Besonderheiten sind ein Grundrissgenerator, der nach Vorgaben Grundrisse erstellt und grafisch aufbereitet, ein KI-Kopilot, der die Raumaufteilung oder Belichtung optimiert oder eine KI-Kostenanalyse, die Preiskalkulationen ermöglicht und Kostenalternativen vorschlägt (https://ideal.house/de).

Nach dem Hochladen einer Vorlage, der Wahl eines Raumtyps, Einrichtungsstils, Farbkonzepts und Mobiliars schlägt die KI Möbelarrangements, Materialien und Farben in mehreren Varianten vor. © Rocket Digital AI
Immo Realty: Diese deutsche KI-gestützte Plattform für Architekten, Innenarchitekten oder Makler ermöglicht virtuelle Raumeinrichtungen, Renovierungen und Fassadengestaltungen, um Objekte durch fotorealistische Renderings aus Skizzen oder (Baustellen-)Fotos einfacher und ansprechender zu vermarkten. Die Partnerseite raumki.de richtet sich an nichtkommerzielle Nutzer (www.raumki.de,
www.immo-realty.com).
Maket: … generiert individuelle Wohnungsgrundrisse und macht Designvorschläge beispielsweise zur Raumeinrichtung, die anschließend individuell modifiziert werden können. Die Ergebnisse können in den Formaten PDF und DXF exportiert werden. Eine virtuelle Beratung zu Kosten-, Design- und Materialfragen oder Bauvorschriften soll die Planung vereinfachen. (www.maket.ai)
MagicPlan: … ist keine spezielle Einrichtungs-App. Sie kann aber mit LiDARkompatiblen Mobilgeräten in wenigen Minuten Räume aufmessen und einen Grundrissplan generieren. Bei optimalen Lichtverhältnissen lassen sich Genauigkeiten von etwa 3-5 Zentimetern erzielen. Die Grundrisse können anschließend mit Möbelobjekten eingerichtet, dreidimensional visualisiert und als DXF ausgegeben werden (www.magicplan.app).

Auch Moodboards, die mit Fotos, Farben, Materialtexturen und Texten das Designkonzept vermitteln, können automatisiert erstellt werden. © Planner 5D
Planner 5D: Mit diesem intuitiven Online-Tool können auf der Grundlage von zwei- und dreidimensional konstruierten Grundrissplänen oder per LiDAR-Scan erfassten Räumen Einrichtungsprojekte geplant werden. Die Räume lassen sich aus einem umfangreichen Katalog mit Möbeln, Materialtexturen und Farben einrichten und anschließend fotorealistisch visualisieren (www.planner5d.com).
Roomle: ist eine österreichische Plattform, die für Hersteller oder Händler mit einer interaktive Produktvisualisierung, -konfiguration und 3D-Raumplanung B2B-Lösungen für den E-Commerce bietet. Endverbraucher können Grundrisse erstellen, per Augmented Reality Räume virtuell einrichten und mit den Möbeln per Smartphone oder Tablet interagieren (www.roomle.com).

Spezielle Plattformen für die interaktive Produktvisualisierung, konfiguration und 3D-Raumplanung bieten B2B-Lösungen für den E-Commerce. © Roomle
RoomSketcher: Diese norwegische Software zur Erstellung von Grundrissen, Planung und Einrichtung von Räumen generiert sowohl maßstabsgetreue 2D-Pläne im PDF-Format als auch 360 Grad-Visualisierungen und interaktive 3D-Präsentationen. Gescannte Baupläne oder Skizzen können per KI oder als Dienstleistung in Grundrisse umgewandelt werden. Auch eine Bestandserfassung per LiDAR-Scan ist möglich (www.roomsketcher.de).
Vizera AI: … ist eine schweizer KI-Plattform für Architektur- und Innenarchitekturvisualisierung, die Raumskizzen, Raumfotos, CAD-Pläne oder 3D-Modelle aus Archicad, Revit oder SketchUp in fotorealistische Einrichtungsszenen verwandelt. Zu den weiteren Funktionen zählen eine umfangreiche Bildbearbeitung, eine gezielte Bearbeitung von Bildausschnitten, die Erstellung von Videosequenzen aus Standbildern oder die Änderung von Tages- und Jahreszeiten im Bild per Textprompt (www.vizera.ai).

In Verbindung mit LiDARkompatiblen Mobilgeräten erfassen einige Lösungen auch bestehende Räume und erstellen Grundrisse, die man anschließend möblieren kann. © Sensopia/MagicPlan
Schwächen und Grenzen
Neben den Vorteilen wie Schnelligkeit, Variantenvielfalt, Zeit- und Kosteneinsparung haben KI-Raumplaner auch einige Schwächen. Sie erzeugen zwar mit den vorgegebenen Einrichtungsstilen funktionale, ansprechende Raumeinrichtungen in fotorealistischer Qualität. Diese sind aber meist am Massengeschmack orientiert, verfügen über wenig Originalität, Individualität und gestalterische Raffinesse. Die meisten Tools sind auf den Wohnbereich fokussiert und optimiert. Komplexere Raumutzungen und Raumabfolgen, offene Wohnkonzepte, versetzte Ebenen, Gallerien, Dachgeschosse oder eine barrierefreie Raum- und Einrichtungsgestaltung lassen sich nicht oder nur eingeschränkt abbilden. Das gilt sowohl für KI-Visualisierungen als auch für 3D-Modelle oder 2D-Pläne, die nicht immer hiesigen Standards entsprechen. Sinnvoll wäre auch eine Tageslichtsimulation, die den tages- und jahreszeitlich wechselnden Lichteinfall simuliert. Berücksichtigt werden sollte auch, dass ein KI-generiertes Bild kein Ersatz für ein 3D-Modell ist. Für eine professionelle Raumplanung mit Werk-, Detail- und Elektroplänen, Stück- und Beschlaglisten, Leistungsverzeichnissen etc. sind letztlich immer präzise 2D-Pläne und 3D-Modelle erforderlich, um eine maßgenaue Fertigung und Montage zu gewährleisten. Dies setzt professionelle CAD- oder BIM-Planungssoftware voraus, die KI-Raumplaner nicht ersetzen, bestenfalls ergänzen können. Achten sollte man bei den nahezu durchweg web-/cloudbasierten Lösungen auf die Lizenzmodelle, Preise, Kündigungsfristen und mögliche Risiken im Umgang mit sensiblen Projektdaten. In der Regel bieten Enterprise-Lösungen für Geschäftskunden einen besseren Projektdatenschutz als Privatkunden- oder kostenlose Tools. Dass Anwenderprojekte auch für Trainingszwecke verwendet werden, schließen nur einige Anbieter explizit aus (z.B. HomeVisualizer.AI oder Vizera AI). Trotz einiger Schwächen sind KI-Raumplaner nützliche Werkzeuge, die man nutzen sollte. Sie können in bestimmten Projektphasen viel Zeit sparen und werden Arbeitsabläufe und Arbeitsweisen von Planern verändern.
Text: Marian Behaneck









