East Harlem School / New York / Peter Gluck and Partners

4. März 2011 Mehr

East Harlem School / New York / Peter Gluck and Partners

„Die neue ‘Private Middle School’ in Harlem ist das Ergebnis der Zusammenarbeit eines dickköpfigen und visionären Besitzers und eines ebenso sturen wie visionären Architekten” – so wurde das Projekt bei seiner Eröffnung charakterisiert. Das weckt natürlich einige Neugierde und die wird auch nicht enttäuscht: Der 9,875 Mio. USD teure Bau in der 103rd Street in East Harlem erfüllt alle Visionen der beiden Männer: Der Besitzer dieser Privatschule – Ivan Hageman – wollte nach seinem Studium in Harvard in sein Heimatviertel zurückkehren und eine innovative, neue Schule gründen. Der Architekt Peter Gluck hatte es sich zum Ziel gesetzt, in seinen Projekten auch die Bauausführung bis zu den jeweiligen Professionistenarbeiten durch sein Büro selbst zu realisieren.

Durch dieses Vorgehen des Architekten wurden die Baukosten, die in Amerika durch das Hinzuziehen der sogenannten ‚General Contractors‘ (Generalunternehmer) meist ins Unermessliche steigen, minimiert und zudem eine wesentliche Verbesserung der Qualität der Architektur erreicht werden. Es war eine maximale Bausumme von 9,875 Mio. USD projektiert. Durch geschickte Einsparmaßnahmen und effiziente Planungsprozesse wurde diese Summe um 520.000 USD unterschritten und so konnte der eingesparte Betrag zusätzlich in die Ausgestaltung der Inneneinrichtung investiert werden.
Dadurch konnte ein Projekt in einer Qualität verwirklicht werden, die sonst außerhalb jeder Reichweite und Realisierbarkeit für die Betreiber gewesen wäre.

Der Stolz der Nachbarschaft

Die East Harlem School ist auf dem Grund eines ehemaligen Drogenrehabilitationszentrum erbaut worden. Der Neubau, der 2008 eröffnet wurde, ist das auffälligste neue Schulgebäude, das in Harlem seit vielen Jahren entstanden ist – ja vielleicht jemals entstehen wird. Eine schwarz/grau/weiß gepixelte Fassade blinzelt triumphierend über einer halbdurchsichtigen Eingangsfront und reflektiert die Häuserreihen der Straße. Kleine Fenster – wie Projektionsöffnungen eines Filmvorführraumes – öffnen sich zur Straße nach außen hin. Innen überwiegen extravagant designte Möblierungen mit kreisförmigen Elementen, die wie hingeworfen überall – sogar auf den Garderobenkästchen – auftauchen. Und genau das macht eine Ästhetik aus, die beides ist, sowohl lustig als auch ernst und seriös, und genau das ist diese Schule auch als Ganzes.

Räume zum Lernen

Das 5.582 m² große Gebäude versinnbildlicht in jedem Winkel die Mission der Schule, die Lernkultur und das soziale Bewusstsein. Die Räume, von natürlichem Licht durchflutet, sind ruhig und kreativ und vermitteln eine kollektive Verantwortlichkeit. Die Schule verpflichtet sich ein Ort für eine untereinander vertraute Schar von Schülern zu sein, von denen sich jeder als Individuum aber auch als Vertreter einer Gemeinschaft begreift.
Jeder Schultag beginnt und endet mit einer gemeinsamen Zusammenkunft. Die Bereiche für diese Treffen, für spezielle Veranstaltungen und die öffentlichen Räume, sind in den unteren Geschossen konzentriert. Die Eingangshalle, der Speisesaal und der Hof sind durch helle Stiegenhäuser und sanfte Rampen verbunden. Abgeschirmt durch halbdurchsichtiges Milchglas wird ein Teil der schulischen Aktivitäten auch für die Straße und die Nachbarschaft sichtbar gemacht.
Die Klassenzimmer und andere schulische Bereiche befinden sich in den Obergeschossen.
Sie werden durch ein – an eine Fabrikfassade erinnerndes – Raster von Fenstern belichtet. Das Muster, das durch diesen Raster der Öffnungen und den dazwischenliegenden färbigen Wandplatten entsteht, ergibt ein organisiertes System von Anschlagflächen für Displays und anderes Lehrmaterial.
Fertigbetonteile ermöglichten es, bei den Fußbodenkonstruktionen zu sparen und ergaben gleichzeitig die großen Raumhöhen (3,35 – 3,96 m) für eine leichte, offene Lernatmosphäre.
Beim Fußbodenbelag wurde ein hochqualitatives Material verwendet, um den Schall zu absorbieren und so den typischen Lärmpegel der herumlaufenden Kinder in Schulen zu verringern. Der Schulhof wurde mit einem Amphitheater und Stufen ausgestattet, abgeschrägten Flächen und einer sich im Wind wiegenden Weide.
Der Erfolg dieser Schule ist sehr treffend durch den Schulvorstand charakterisiert, wenn er sagt: „Da ist ein Staunen unter den Menschen, die die Schule betreten, ein tiefes Luftholen, wenn sie begreifen, dass hier alles so ist, wie es in einer Schule sein sollte.“.

Fotos: Erik Freeland, Theo Morrison

Bauherr: The East Harlem School at Exodus House
Planung: Peter Gluck and Partners
Statik: Robert Silman Associates
Grundstücksfläche: 5.582 m²
Planungsbeginn: Februar 2005
Fertigstellung: November 2008
Baukosten: 9,355 Mio. USD

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Kategorie: Projekte

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