Klimagerechte Arbeitswelt
Am Mayr Campus im oberösterreichischen Scharnstein wurde Ende April 2026 ein neues Bürogebäude eröffnet, das die bestehende Betriebsstruktur um einen kompakten Holzbau ergänzt. Der Neubau ist Teil eines 32.000 m2 großen Areals, auf dem Entwicklung, Produktion, Innovation und Ausbildung des Unternehmens Mayr Schulmöbel räumlich zusammengeführt sind.
Mit der Planung wurde das Architekturkollektiv LOCI ZT GmbH betraut; die Holzbauplanung erfolgte durch BM Ing. Ulrich Gegendorfer MSc. Ausgangspunkt des Entwurfs war die Auseinandersetzung mit dem bestehenden Betriebsareal, seiner landschaftlichen Einbettung im Almtal sowie den klimatischen und konstruktiven Rahmenbedingungen. Das Gebäude umfasst rund 2.100 Quadratmeter Bruttogeschossfläche und etwa 1.700 Quadratmeter Nutzfläche. Es fügt sich in den gewerblich geprägten Bestand des Campus ein und hält durch seine kompakte Form möglichst große Teile der Freiflächen frei. Zugleich setzt der Neubau innerhalb des Areals einen neuen räumlichen Schwerpunkt.
Konstruktion und Organisation
Das Campus-Büro wurde – einschließlich Liftschacht – vollständig in Holzbauweise errichtet und von der EU kofinanziert. Die Tragstruktur verbindet Holzskelettbau und Holzmassivbau zu einem klar gegliederten System, das flexible Nutzungen ebenso ermöglicht wie spätere Anpassungen der Büroflächen. Im Innenraum bleiben Brettsperrholzdecken, Stützen und Träger sichtbar; sie machen die Konstruktion ablesbar und prägen zugleich die warme, materialbetonte Atmosphäre der Arbeitsbereiche. Ergänzt wird die Holzkonstruktion durch lehmverputzte Wandoberflächen. Die Materialwahl folgt nicht nur ökologischen Kriterien, sondern unterstützt auch ein ausgewogenes Raumklima. Großzügige Raumhöhen, offene Raumbezüge und große Fensterflächen schaffen helle, übersichtliche Arbeitsbereiche.
Zwei Atrien strukturieren das Innere des Gebäudes und verbinden die drei Geschosse räumlich wie visuell miteinander. Eine Spindeltreppe in einem der Atrien ergänzt die vertikale Erschließung und unterstützt die Orientierung im offenen Raumgefüge. Trotz dieser Durchlässigkeit bleiben die Arbeitsbereiche klar gefasst. Ein nach Norden orientiertes Sheddach sorgt für eine gleichmäßige Belichtung der Mittelzone. Gleichzeitig ist es Teil des Lüftungs- und Energiekonzepts. Über automatisch gesteuerte Oberlichter und Sheddachfenster wird die natürliche Belüftung unterstützt; in den Sommermonaten trägt das System zur nächtlichen Auskühlung des Gebäudes bei.
Nachhaltiger Betrieb
Das Bürogebäude folgt einem Low-Tech-Ansatz. Die natürliche Belüftung aller Arbeitsplätze reduziert den Bedarf an komplexer technischer Ausstattung. Die Energieversorgung erfolgt über regenerative Quellen: Eine Grundwasser-Wärmepumpe übernimmt Heizung und Kühlung, unterstützt durch Fußbodenheizung, Wandheizung und punktuell eingesetzte Kühldecken. Auf dem Sheddach befindet sich eine Photovoltaikanlage mit 76,95 kWp Leistung. Sie liefert Strom für den Gebäudebetrieb und insbesondere für die Wärmepumpe. Durch die Nutzung erneuerbarer Energien ist der Betrieb des Bürogebäudes CO2-neutral ausgelegt.
Die Büroausstattung stammt von Mayr Schulmöbel selbst. Damit wird das Gebäude auch zu einem Anwendungsbeispiel für die eigenen Produkte, ohne dass die Architektur darauf reduziert wird. Im Vordergrund steht ein Arbeitsgebäude, das Materialwahl, Konstruktion, Energieversorgung und betriebliche Nutzung zu einem konsistenten Konzept verbindet.
Fotos: Manuel Draschl
Kategorie: Projekte














