Lust zum Arbeiten

28. Februar 2020 Mehr

Einen ähnlichen Stellenwert als Stadtplaner wie Otto Wagner in Wien besitzt Georges-Eugène Haussmann in Paris. Die Umgestaltung einer seiner Villen zum Experience Center der Wirtschaftsprüfgesellschaft PWC durch das Pariser Architekturbüro Vincent Gloria & Levisalles Architectes schafft eine kreative Arbeitsatmosphäre, die geprägt ist vom Zusammenspiel von Alt und Neu.

 

 

Das Pariser Experience Center kann man getrost als ungewöhnlichen Arbeitsplatz bezeichnen, an dem Projekte für den digitalen Bereich kollektiv entwickelt, getestet und realisiert werden. Trotz dieser Aufgabenstellung fehlt die daraus zu erwartende Großraumbüroatmosphäre hier gänzlich: Der Bestandsbau unterteilt die Fläche ohnedies in kleinere Räume, die mithilfe der filigranen Möblierung nun flexibel genutzt werden können. Diese Anpassungsfähigkeit wird auch von der Belegschaft gefordert – es gibt keine fixen Arbeitszeiten oder -plätze. Viel Wert wird auf das Arbeiten in transdisziplinären Teams gelegt, die offene Raumstruktur ohne Türen trägt ihren Teil dazu bei.

 

 

Schon beim Betreten des Gebäudes offenbart sich dessen besonderer Charakter. Vor die Fassade mit ihren klassischen Gestaltungselementen ist ein Glaspavillon positioniert, der jetzt den Eingangsbereich markiert. Drinnen trifft man dann nicht wie gewohnt auf einen Empfang, sondern auf ein freigelegtes Stiegenhaus, das alle fünf Büroebenen miteinander verbindet. Die verschiedenen Aufenthalts- und Arbeitsbereiche gliedern sich direkt an dieses an und lassen einen dynamischen Austausch sowie wechselnde Gruppengrößen zu. Demgemäß variiert die Möblierung je nach Bereich und kontrastiert mit der historischen Struktur. Gold, Stuck und Marmor treffen auf Holz, kräftige Farben und tropische Pflanzen.

Der Parkettboden gehört zur Originalsubstanz und findet sich frisch renoviert wie zuvor als verbindendes Element aller Räume wieder. Zum Innenhof und Garten ausgerichtet gruppieren sich neben gemeinschaftlichen Bereichen auch einige Computerarbeitsplätze, eine kleine Werkstatt und ein Präsentationsbereich. Im Keller des Gebäudes finden die alte Substanz und die neue Ausstattung noch einmal auf eindrucksvolle Weise zusammen. Hier kommen die größten Räume des Hauses unter und können für Veranstaltungen genutzt werden.

 

 

Das Arbeiten ist auf gemeinsames Entwickeln und Besprechen aufgebaut. Dementsprechend gibt es vor allem großformatige Tische, auf denen mehrere Personen Platz finden. Räumlich separiert sind nur die sogenannten Bubbles, die als kleine Rückzugsbereiche in die Bürolandschaft integriert sind. Der kreative Prozess soll auch durch die Ausstattung der Arbeitsbereiche mit Schreibtafeln und Pinnwänden gefördert werden.

Vincent Gloria & Levisalles Architectes war es wichtig, die Eingriffe in den historischen Bestandsbau auf das Notwendigste zu reduzieren. Diese Würdigung der Bausubstanz des ehemaligen Wohnhauses und die Ausstattung mit zeitgemäßen Möbeln sollen den Mitarbeitern den Wohlfühlcharakter eines Zuhauses vermitteln.

 

Fotos: Arnaud Schelstraete
Text: Alexandra Ullmann

 

Kategorie: Projekte

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