Natur, Sonne und Obstbäume

10. Juni 2025 Mehr

Holz ist der dominierende Baustoff bei dem von nonconform entwickelten Geschosswohnbau TIMBER*LAA, in einem noch von dörflichen Strukturen und Agrarflächen geprägten Wiener Stadtteil.

 

 

Oberlaa kennt jeder – dieser Wiener Stadtteil ist schon wegen seiner Therme bekannt und Naschkatzen assoziieren mit dem Namen so manchen gemütlichen Nachmittag bei Kaffee und Kuchen. Aber Unterlaa? Bis Mitte des 19. Jahrhunderts hatte diese niederösterreichische Gemeinde rund 300 Einwohner, es wurde vor allem Weinbau betrieben. Im Jahr 1938 wurden Ober- und Unterlaa der Stadt Wien eingemeindet, seit 1954 sind sie Teil des 10. Wiener Gemeindebezirks Favoriten, heute der bevölkerungsreichste Bezirk Wiens.

 

 

Erfahrung im Holzgeschossbau

Für ein Gartengrundstück in Wien-Unterlaa, in einem zwischen ausgedehnten Feldern liegenden Siedlungsgebiet an der Klederinger Straße, gab es ein Entwurfskonzept zur Nachverdichtung, das sich allerdings nicht für einen Wohnbau in Holzbauweise eignete, wie ihn sich der Bauträger DWK Die Wohnkompanie vorstellte. Das Problem dabei: Die Baubewilligung war bereits kurz vor dem Ablaufdatum. Also beauftragte der auf die Errichtung frei­finanzierter Eigentums- und Vorsorgewohnungen spezialisierte Developer das Team von nonconform mit der Neuplanung. Das Büro für Architektur und partizipative Raumentwicklung, wie sich das 1999 von Roland Gruber, Peter Nageler und Caren Ohrhallinger gegründete Planungsbüro nennt, hat mit dem Baugruppen-Wohnprojekt „B.R.O.T.“ in Pressbaum Erfahrung im Holzgeschossbau. Die Planer benötigten nur drei Monate vom Vorentwurf bis zur Einreichplanung. Im April 2022 ging es mit dem Bau los, im September 2023 konnte der aus zwei hintereinander liegenden Baukörpern bestehende Wohnbau mit insgesamt 38 Wohnungen in Größen zwischen 45 und 100 Quadratmeter an den Bauherrn übergeben werden.

 

 

Alles Holz

Holz ist bei dem Projekt der dominierende Baustoff. Es beginnt bei der Fassade an der Klederinger Straße, die mit Latten aus Lärchenholz in Nut-Federkonstruktion gestaltet ist und das Gebäude optisch aus der in ländlichen Gegenden üblichen Straßenrandbebauung mit Putzfassaden hervorhebt. Die sägerauen, vorvergrauten Lärchenholzelemente der vorgehängten, hinterlüfteten Fassade wurden im Werk inklusive des Einbaus von Fenstern und Türen vorfabriziert.  Die Konstruktion als hinterlüftete Fassade bietet zahlreiche Vorteile: Durch die Hinterlüftungsebene zwischen der Holzverschalung und der Dämmung kann Feuchtigkeit aus der Gebäudewand zuverlässig abgeführt werden, was die Bausubstanz langfristig schützt und Schimmelbildung vorbeugt. Zudem trägt diese Bauweise zu einem ausgeglichenen Raumklima bei, da sie im Sommer einen Hitzestau verhindert und im Winter zur Wärmedämmung beiträgt. Lärchenholz eignet sich besonders für Fassaden, da es von Natur aus harzhaltig und widerstandsfähig gegenüber Witterungseinflüssen ist. Die Vorvergrauung sorgt nicht nur für eine einheitliche, ästhetisch ansprechende Patina, sondern reduziert auch den Pflegeaufwand, da das Holz ohne zusätzlichen Schutzanstrich auskommt. Insgesamt vereint die hinterlüftete Holzfassade damit Langlebigkeit, Klimaresilienz, Nachhaltigkeit und gestalterische Qualität in einem harmonischen Zusammenspiel.

 

 

An das östlich angrenzende Gebäude schließt das Wohnhaus mit einem dreigeschossigen Seitenrisalit an und geht dann in einen Zweigeschosser mit Man­sardendach über, das wiederum von einer Gaupe mit Holzverschalung unterbrochen wird. An der Westseite schließt der Wohnbau mit einer Feuermauer zu einem niedrigen Baukörper und dem Vorplatz eines zurückversetzten Wohnbaus an.

Konstruiert sind die beiden Gebäude in Holzriegelbauweise bei den Außenwänden mit einer Vorsatzschale an der Innenseite. Die Innenwände bestehen aus massiven Brettsperrholzplatten, die ebenso unverkleidet bleiben wie die Deckenholzuntersichten und mit ihren Maserungen und Astlöchern das natürliche Wohngefühl vermitteln, das heute im Trend liegt und das viele Kunden dementsprechend wertschätzen. Im Kontrast zur Holzoptik sind die Fenster sowie die Geländer und Wände in den Stiegenhäusern in grün gehalten.

 

 

Frei- und Gemeinschaftsflächen

Nach hinten – in Richtung Süden – öffnen sich die beiden Baukörper zu den Gartenbereichen, sämtliche Wohnungen sind mit Terrassen, Loggien und Balkonen ausgestattet, die Erdgeschosswohnungen verfügen über Eigengärten. Keine der Wohnungen ist nur nordorientiert. Beide Baukörper erfüllen den Niedrigstenergiestandard, werden über eine zentrale Luftwärmepumpe beheizt und über eine Photovoltaikanlage am Dach mit selbst produziertem Strom versorgt. Um ein nachbarschaftliches Miteinander zu fördern, bieten die begrünten Außenbereiche der Wohnhäuser auch die Möglichkeit, gemeinsam zu gärtnern und die Obstbäume zu pflegen – ganz so, wie es die 300 Bewohner von Unterlaa vor rund 200 Jahren vermutlich getan haben.

 

 

TIMBER*LAA (Dorf Stadt Oase)
1100 Wien

Bauherr: DWK Die Wohnkompanie GmbH
Planung: nonconform ZT GmbH
Landschaftsplanung: Kräftner Landschaftsarchitektur
Statik Holzbau & Bauphysik: RWT Plus ZT GmbH
Statik Massivbau: Dorr Schober und Partner Ziviltechniker GmbH

 Grundstücksfläche: 3.635 m2
Bebaute Fläche: 1.299 m2
Nutzfläche: 3.027 m2
Bruttogeschoßfläche: 4.135 m2
Planungsbeginn: 12/2020
Bauzeit: 04/2022 – 09/2023

 www.nonconform.at

 

 

Text: Roland Kanfer
Fotos: Kurt Hoerbst

 

Kategorie: Projekte