Temporäres Zuhause
Das von hirner & riehl architekten stadtplaner bda geplante Jugendwohnhaus in Straubing reagiert auf eine Aufgabe, die über die Bereitstellung von Schlafplätzen hinausgeht: Es verbindet temporäres Wohnen für Auszubildende mit gemeinschaftlichen, pädagogisch nutzbaren Räumen und einer auf Effizienz ausgelegten Holzbauweise. Das Haus dient dem Berufsschulverband Straubing-Bogen als Unterkunft für Jugendliche, die während des Blockunterrichts nicht täglich an ihren Wohnort zurückkehren können.
Der Neubau steht auf einem trapezförmigen Grundstück in einem heterogenen Umfeld aus Verkehrsinfrastruktur, kleinteiliger Wohnbebauung, gewerblichen Nutzungen und städtebaulichen Restflächen. Mit seinem winkelförmigen Baukörper fasst das Gebäude das Areal neu: Zwei Flügel bilden eine klare Raumkante und schirmen einen rückwärtigen Freibereich mit Begrünung und Sportfläche ab. Die Organisation folgt einer einfachen, gut lesbaren Hierarchie. Im Erdgeschoss befinden sich Empfang, Wartebereich, Speisesaal, Aufenthaltsräume, Küche, Werkstätten und betriebliche Bereiche. Die größere Raumhöhe von drei Metern entspricht den gemeinschaftlichen Funktionen und lässt die öffentlichen Bereiche vom kompakteren Zimmertrakt unterscheiden. Darüber liegen Verwaltung, Gruppenräume und die Wohngeschosse. Die Zimmer sind seriell angeordnet, übereinandergestapelt und auf kurze Wege ausgelegt. Insgesamt bietet das Haus rund 150 Wohnplätze in Einzel- und Doppelzimmern; ergänzend gibt es barrierefreie Zimmer und ein Bereitschaftszimmer für pädagogisches Personal.
Rückzug, Begegnung, Vorfertigung
Die Gruppenräume mit Teeküchen liegen jeweils an den Gelenkpunkten der beiden Flügel. Damit sind sie nicht als Restflächen behandelt, sondern als wiederkehrende Orte im Alltag der Bewohnerinnen und Bewohner. Sie ergänzen die kleinen privaten Zimmer und geben dem Gebäude eine soziale Mitte auf den Etagen. Diese räumliche Struktur entspricht der Nutzung: Das Jugendwohnhaus ist kein klassisches Wohnheim für dauerhaftes Wohnen, sondern eine temporäre Unterkunft für junge Menschen in Ausbildung. Es muss Rückzug ermöglichen, aber auch Kontakt, Betreuung und Orientierung unterstützen.
Konstruktiv ist das Gebäude als Hybridbau angelegt. Das Erdgeschoss besteht aus mineralischen Baustoffen und bildet den Sockel für die darüberliegende Holzkonstruktion. Tragende Wände wurden in Brettsperrholz ausgeführt; Decken bestehen aus Brettsperrholz beziehungsweise Brettstapelholz. Die Planung setzt auf serielle Elemente und einen hohen Vorfertigungsgrad. Außenwände wurden im Werk mit Fenstern, Sonnenschutz und Lüftungsgeräten ausgestattet, die Bäder als vorgefertigte Raummodule auf die Baustelle geliefert. Diese Vorgehensweise verkürzt Abläufe auf der Baustelle und passt zur modularen Grundstruktur der Zimmer.
Der Holzbau ist auch Teil des energetischen und ökologischen Konzepts. Rund 1.600 Kubikmeter nachwachsende Rohstoffe wurden im Gebäude verbaut; außerdem erhielt das Projekt eine Förderung für den Einsatz nachwachsender, Kohlenstoff speichernder Baustoffe aus nachhaltiger Bewirtschaftung. Auf dem hinterlüfteten Flachdach ist eine Photovoltaikanlage installiert, die zur Energieversorgung beiträgt. Das Gebäude ist nach Niedrigstenergiestandard geplant und folgt dem Prinzip des einfachen Bauens: kompakte Geometrie, reduzierte Flächen, robuste Materialien und wiederholbare Bauteile.
Im Inneren bleibt Holz an vielen Stellen sichtbar: an Wänden, Decken, Böden und Einbauten. In den öffentlichen Bereichen und Erschließungszonen ergänzen dunkle Werksteinplatten die helleren Holzoberflächen. Die Individualräume nutzen sichtbare Holzoberflächen und Industrie-Stäbchenparkett. Die Gestaltung setzt weniger auf dekorative Mittel als auf Materialkontinuität, Tageslicht und robuste Details. Austauschbare Wandverkleidungen berücksichtigen die intensive Nutzung durch wechselnde Bewohnergruppen.
Fotos: Sebastian Schels
Kategorie: Projekte












